Tänzer (unvollendet)
Der Monolog des Tänzers

Oder Die Dialektik der ungewissen Gegenliebe


ErsterTeil
Der Monolog des Tänzers

„Ich tanzte und war wie Musik,
Bis mir am End der Atem fehlte.
Doch dann kam sie - zu meinem Glück,
Sie, die mich nahm und neu beseelte.

Sie hob mich auf und trug mich fort
Gekümmert hat sie sich um mich
Und brachte mich zu einem Ort,
Wo Atemnot der Freude wich.

Dass jemand an mir Anteil nahm
Den ich zuvor doch kaum gekannt,
War was, das wie vom Himmel kam,
Ein Engel der zu mir gesandt?

Sie sagt, sie kenne meine Not
Aus eigenem Erleben
Und dass sich eine Chance bot,
Sich selbst etwas zu geben.

Dass man aus eignem Antrieb kann,
Den Zustand überwinden,
Um so ganz sicher irgendwann
Den Anfang dann zu finden,

Der einem neuen Atem gibt,
Um endlich das zu machen,
Was man im innern Herzen liebt
Und Freude kann entfachen.

Wir saßen lang am Feuerschein
Und tauschten die Gedanken,
Sie war für mich wie süßer Wein,
Mein Herz geriet ins Wanken.

Weil sie von neuem Anfang sprach
Und auch von Überwindung,
Wurden in mir Kräfte wach
Zum Lösen meiner Bindung.

Die Fesseln, die sich eng und kalt,
Fest um mein Dasein winden,
Fanden plötzlich keinen Halt,
Um mich fortan zu binden.

Getäuscht von mir, weil sie so warm
Und freundlich mich behandelt,
Sah ich mich schon in ihrem Arm
Und liebevoll verbandelt.

Als ich mich dann, es war so weit,
Zur Frage überwunden,
Sagt sie, es täte ihr sehr leid,
Doch sei sie fest gebunden.

Und trotzdem keine Traurigkeit,
Das wär ja auch vermessen,
Sie gab mir mehr, als ihre Zeit,
Ich werd sie nicht vergessen.“

Zweiter Teil
Die Sicht des Erzählers

„Nachdem der Tänzer Erster war,
Komm ich jetzt endlich auch zum Zug
Und stell das Ganze anders dar,
Wie ich es seh’, dass sich’s betrug.

Als Erzähler muss ich richten,
Was der Tänzer hier so spricht.
Darauf kann ich nicht verzichten,
Alles muss ins rechte Licht.

Der Tänzer, der im Monolog,
Gekürzt statt übertrieben,
Hat hier – nicht dass er damit log,
Nur Alles nicht beschrieben.

Er sprach nicht über seinen Tanz
Und wer ihn dazu brachte.
Mit ihr wird dieser Reigen ganz,
Der ihm den Garaus machte.

Ja sie hat ihn zum Tanz geführt,
Sie brachte ihn zum Schwingen.
Drum war sie später so gerührt
Und wollt ihm Hilfe bringen.

So war sie auch nicht unbekannt,
Kein Engel, den der Himmel sandte
Nur ihren Namen er nicht fand,
Obwohl er sie seit Jahren kannte.

Es stimmt, dass sie an Atemnot
Auch selber musste leiden,
So sie, von dem, was sich ihr bot
Viel Schönes musste meiden..

Doch weil sie sich hat selbst geheilt
Und zeigen wollte, dass dies geht,
Hat sie so lang bei ihm verweilt,
Damit er es auch recht versteht.

Sie hat sich redlich abgemüht,
Ihn auch zu überzeugen
Soll machen, dass sein Leben blüht,
Sich nicht der Krankheit beugen.

Er, dem die Liebe krankhaft fehlt,
Sah in ihr grade die Arznei,
Die gegen das was ihn so quält
So unverhoffte Rettung sei.

Doch was er dabei nicht bedacht,
Sie wollt nicht nach im streben,
Weil sie sich gar nichts aus ihm macht,
Wollt doch nur Hilfe geben.

Drum Tänzer lass es, wie es ist
Und sei nicht so besessen
Und in nicht allzu langer Frist
Kannst du sie auch vergessen.“

Dritter Teil
Kritik am Erzähler

„Ja, ja das musste jetzt wohl sein!
Du alberner Erzähler!
Du hackst nur sinnlos auf mich ein,
Und suchst nach einem Fehler.

Hab alles, was ich wichtig fand
Bereits zuerst geschrieben
Es so in meinen Versen stand
Und nichts vertuscht geblieben.

Verdorben hast du mein Gedicht
Mit deinem blöden Kommentar
Und rückst es gar ins falsche Licht
Was vorher klar und richtig war.

Und was du schreibst zu meinem Tanz,
Und diesem Engel voll Geduld
Verfälscht Gewesenes doch ganz!
Sie trägt nun wirklich keine Schuld!

Darüber, dass sie mich erwählt
Hab ich mich wahnsinnig gefreut
Und wär mein Leben ausgezählt,
Ich hätt es trotzdem nicht bereut.

Und ahnen konnt sie es doch nicht,
Dass mir am End der Atem fehlte
Es war zum Glück auch nicht in Sicht
Weil sie mich sonst bestimmt nicht wählte.

Was vielleicht zu kurz gekommen,
Obwohl’s mir wirklich teuer,
Doch die Erinnerung verschwommen,
Ist die Zeit am Lagerfeuer.

Weiß nicht mehr alles, was besprochen,
Doch spür genau, was ich gefühlt
Da ist in mir was ausgebrochen,
Was tief in meinem Innern wühlt.

Unerwartet diese Nähe
Und auch die Vertraulichkeit,
Als ob ich sie fast täglich sähe
Und das schon seit langer Zeit.

Ich fühlte mich bei ihr geborgen,
Pudelwohl und auch daheim,
Weit entfernt von allen Sorgen,
Könnte gar nicht schöner sein.

Es stimmt auch nicht das ich sie wollte
Nur als nötige Arznei.
Nein, bei dem was in mir tollte,
War viel Zuneigung dabei.

Und als ich sie nach mehr gefragt,
Spät nachts und an des Feuers Licht,
Hat sie mir so lieb „Nein“ gesagt,
Grad das vergess’ ich sicher nicht.“

Vierter Teil
Nimmersatt und Zeitenwind

„Hör auf, du Tänzer ohne Hirn
Das ist scheinbar entschieden
Du bist vom Herz bis rauf zur Stirn
Noch immer nicht zufrieden

Bedenke doch, was war, war schön
Bekamst genug in dieser Nacht
Lass sie jetzt ihrer Wege gehen
Hat sicher nicht an mehr gedacht.

Sie wollt nur freundlich sein zu dir
Und helfen dir mit Ihrem Rat
Und nicht erwecken deine Gier
Du dummer, alter Nimmersatt.“

„Halt Erzähler! Stopp die Red
Ich will doch wirklich gar nicht viel
Will dass der Abend weiter geht
So schön war unsrer Worte Spiel

Umgeben von der Dunkelheit
Die Mond und Sterne schwärzen
Sah ich für viel zu kurze Zeit
Ihr helles Licht vom Herzen

Das zog mich gleich in ihren Bann,
Sie hat den Zauber mir gebracht
Der macht, dass ich sie fühlen kann,
Ich bin erwacht, aus meiner Nacht.“

„Ja, ja das wissen wir doch längst
Und trotzdem gibt es Grund dafür
Dass du nicht weiter an ihr hängst
Und endlich schließt die offne Tür.

Nimm lieber das, was sie gesagt
Und halt dich endlich auch daran,
Damit, wer’s dann noch mit dir wagt
Auch mit dir einmal tanzen kann.

Selbst wenn sie etwas an dir fände
Und frei ihr wärt, was ihr nicht seid,
Zu hoch sind zwischen euch die Wände
Und die Entfernung viel zu weit.“

„Das weiß ich doch, du hast ja Recht,
Ich weiß, dass ich sie nicht gewinn
Nur Freundschaft wäre auch nicht schlecht,
Wenn ich dann damit bei ihr bin.

Nicht weil ich ihre Liebe wollt
Und darin Zukunft sähe
Nein, weil sich in mir etwas tollt,
Der Wunsch nach ihrer Nähe.

Will einfach nicht, dass sie vergeht
Wie schöner Traum am nächsten Tag
Will nicht das Zeitenwind verweht,
Was ich nicht mehr vergessen mag.“

Fünfter Teil
Sonnenschein und Regen

„Ich sehe schon es nutzt nicht viel,
Dir mit Vernunft zu kommen.
Du treibst voran das üble Spiel
Und bist davon benommen.

Was mit dir wird sei deine Qual
Treib’s nur bis an dein Ende
Doch zieh sie nicht in deine Wahl
Lass von ihr deine Hände.

Sie hat im Namen Sonnenschein
Und du bringst nur den Regen
Du bist für sie kein „süßer Wein“,
Du bringst ihr keinen Segen.

Hab nämlich Angst, dass du ihr schreibst
Um Eines zu erreichen
Dass du ihr in Erinnerung bleibst
Und nicht der Zeit musst weichen.

Nur dazu dichtest du, wie wild
Und biegst die armen Sätze
Damit ihr bleibt von dir ein Bild
Dass sie dann auch noch schätze.

Bedenke nur, wenn das gelingt
Und sie sich gar nach dir verzehrt
Welch Nöte dies dann für sie bringt
Hast dann nur Sorgen ihr beschert.

Ist das der Dank, den du ihr gibst,
Für das was sie an dir getan?
Ist das ein Zeichen, wie du liebst,
Und nicht viel mehr vom Größenwahn?

Dass du jetzt reimst, sie so bedrängst
Ist für sie letztlich eine Last
Und wenn du weiter an ihr hängst
Kommt’s noch so weit, dass sie dich hasst.

Das würde dir dann Recht geschehen
Man kann’s nicht anders sagen.
Ich würde sie recht gut verstehen.
Bräucht nicht nach Gründen fragen.“

„He, geht es noch – ich glaub es nicht
Du schreibst hier grad zu Schanden
Das schöne, harmlose Gedicht
Von Seelen, die sich fanden.

Liegt falsch, wer sich hier Sorgen macht,
Um diese wundervolle Frau,
Wenn sie das liest, wird viel gelacht,
Denn was sie will weiß sie genau.

Auch das war’s, was mir so gefiel,
Als ich bei ihr gesessen
Sie schien so sicher und hat Stil
Das werd ich nicht vergessen.

Sechster Teil
Das Ende

Jetzt hast du mich ganz wirr gemacht,
Du boshafter Erzähler
Ist was ich schreibe wohl bedacht,
Oder doch ein Fehler?

Ich hab auf diesem Fest erlebt
Was sehr, sehr lang schon nicht mehr war
Dass meine kleine Erde bebt,
Das war so schön und wunderbar.

So schnell, wie’s kam war’s auch vorbei
So konnt ich’s gar nicht fassen
Drum hab ich’s mit der Schreiberei
In mir verlängern lassen.

Was sie bewirkt, war ihr nicht klar,
Hab das auch nie bestritten,
Was niemals war, wird auch nicht wahr,
Wenn man den Pegasus geritten.

Doch half mir diese Arbeit sehr
Und möchte die Zeit nicht missen
Ich lernte über mich noch mehr
Als ich konnt vorher wissen.

Doch dass Du deine Ruhe hast,
Auch wenn ich noch was fände,
Sag ich jetzt einfach kurz gefasst:
Mach’s gut, leb wohl und

- ENDE-