Die lange wache Nacht 1995
Die lange wache Nacht

Ich hab die lange, wache Nacht,
Bewegt, in uns verschlungen,
Mit Dir und mir im Wir verbracht
Und nur gefühlt und nicht gedacht,
Nichts ist zu uns gedrungen.

Wir waren eins, aus Haut und Haar,
Ein Knäul aus warmen Leben.
Es war ein Spiel, so wunderbar,
Bei dem nichts Andres wichtig war,
Als geben – nehmen – geben.

So weiche Lippen trafen sich
Und Zungen tanzten Reigen.
So zarte Wangen strichen mich,
So sachte Zähne bissen Dich
Und wollten Liebe zeigen.

Zu Anfang war das Kosen leis,
Doch stieg es an zum Beben
Und bloße Körper wurden heiß
Und nass durch der Begierde Schweiß,
Verdammt nach mehr zu streben.

Und immer stärker ward der Drang
Uns innig zu verbinden
Und wuchs heran zum süßen Zwang
Versprach, es daure nicht mehr lang,
Bis wir Erlösung finden.

Und so im tiefsten, tiefen Kuss,
Die Welt in weiten Fernen,
Zerplatzt des Lebens ruhiger Fluss
Zum Feuer speienden Erguss
Aus viel Milliarden Sternen.

Als dann ein jeder Glück erfüllt
Und Welt vergessen in sich fiel
War unsre Lust noch nicht gestillt,
So wurde sanftes Kosen wild
Und trieb uns in ein neues Spiel.

Erst später, als der Morgen kam
Und wir von uns betrunken
Und unsre Sinne wurden lahm
Und sich der Schlaf die Körper nahm,
Sind wir in uns versunken.

Auf meiner Haut, heut riech ich noch
Den süßen Duft der Zweisamkeit
Genauso wie ich ihn schon roch,
Als er aus unsren Körpern kroch
In dieser unvergessnen Zeit

Zu zweit.