Frühling 1992
Frühling

Der Frühling klopft an meine Tür
Ich sag zu ihm: „Bleib draußen!“
Denn was das Leben bietet mir,
Davor kann’s mir nur grausen.

Die Antwort war: „Sei nicht so dumm!
Ich will dir etwas zeigen!“
„Ach Frühling nimm es mir nicht krumm,
Doch spar dir deine Geigen!

Ich hab genug von dieser Welt,
Bin meiner Trauer Pflege.
Ich habe dich nicht herbestellt!
So geh nur deiner Wege.“

„Nein, nein! So schnell geht’s wieder nicht!
Hör doch die Vögel, wie sie singen.
Sie wollen in dein Leben Licht
Und Schönheit wieder bringen.“

„Ach, lass die Vögel, wo sie sind!
Ich will sie nicht mal hören.
Bin vor der Schönheit lieber blind.
Sie könnt mich sonst noch mal betören.“

Der Frühling gibt so gleich nicht auf
Und hält sofort dagegen:
„Du weißt das ist der Welten Lauf,
So oft erlebt auf deinen Wegen.

Die Schönheit gab die Freude dir
Die Trauer bracht das Leben.
Doch ohne Trauer könnt es hier
Auch keine Freude geben.“

„Hör auf! Ich weiß, du hast ja Recht!
Doch kann ich’s nicht verwinden.
Mein Leben ist zu mir so schlecht
Und wollt nur meinen Frieden finden.

Das Auf und Ab macht mich ganz krank
Ich kann es nicht ertragen
Dass ich der Gegenliebe blank
Allein bin an so vielen Tagen.“

„Ach ja, du armer, armer Tropf!“
Verspottet mich der Frühling frech,
„Es will dir nicht in deinen Kopf,
Dass du dir schmiedest selbst dein Pech.

Wie soll dich jemand lieb gewinnen,
Wenn du nur Mitleid mit dir hast.
Mit deiner Schwermut in dir drinnen
Bist du für Andere nur Last.“

Da geb ich auf: „Du hast gewonnen!
Doch lass mir doch noch etwas Zeit.
Noch sind die Zweifel nicht zerronnen,
Ich glaub ich bin noch nicht so weit.“

„Nur mutig auf und Kopf voran!
Du musst es jetzt gleich wagen!“
Spornt trotzdem mich der Frühling an,
„Und Schluss mit deinen Klagen!“

Ich stehe auf und spring hinaus
Und soll es glauben, wer es glaubt
Der Frühling warf mich aus dem Haus
Und hat der Trauer mich beraubt.