Armreich 1993
Armreich

Wir wissen, dass zu keiner Zeit
Die ganze Menschheit auf der Welt
Vom tiefsten Elend wird befreit,
Solang regieren Macht und Geld.

Solang wir hier im Reichtum leben,
Das ist Gesetz, das Mensch sich schafft,
Muss es auch dort die Armut geben,
Weil Reichtum alles an sich rafft

Wenn jeder hätt’ die gleichen Dinge
Und wär wie wir so feist und satt,
Die Erde sehr bald unterginge,
Weil sie nicht Raum für all das hat.

Wenn wir nach Menschlichkeit uns richten,
Die Stärke gleicht die Schwäche aus,
Müssen wir lernen zu verzichten
Und öffnen unser Herz und Haus.

Dabei würden wir noch gewinnen,
Denn die Armut herrscht auch hier.
Sie lebt bei uns nur in uns drinnen.
Der Menschheit Übel kennen wir.

Bei uns denkt jeder nur an sich
Und ist mit sich am End allein.
Grad dieser Zustand kümmert mich,
Es könnt doch so viel schöner sein.

Wenn wir hier schrein: „Uns geht’s gut!“
Und uns so um uns selbst betrügen,
Befällt mich diese tiefe Wut,
So nutzlos sind die schönen Lügen.

Wir brauchen diesen Wohlstand nur,
Um uns selbst zu vergessen
Und rennen an der Lebensuhr
Vorbei, als wie besessen.

Doch irgendwann en jeder spürt
Und sei es erst beim Sterben,
Nur wer ein menschlich Leben führt,
Kann dieses auch vererben.