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Die richtige Schneid.

 

Alpines Jubiläumsfestspiel

zum 5. Juli 1924

 

v. Alfons Rapp.

 

Personen:

 

Hagner Max, Privatier.

Vevi, seine Frau.

Buhl Anton, Malermeister, deren Schwiegersohn.

Julie, seine Gattin.

Lisbeth \

Rosa    / deren Kinder

Arnold, Hermann, Lehrer.

Fleiner Hubert, Obergeselle bei Buhl.=

Senzi, Dienstmädchen bei Hagners= .

Weimer, ein Briefträger.

 

Zeit: Gegenwart. Die 3 Aufzüge ereignen sich innerhalb der letzten 6 Wochen.

Ort: Ein kleines Städtchen im Al= lgäu.

 

1. Aufzug.

1. Szene.

 

Das Innere eines besseren bürger= lichen Wohnzimmers.

 

Es ist Morgen. Rechts steht ein festl= ich geschmückter Tisch fürs kommende Frühstück vorbereitet.=

An der Stirne ein Großvaterstuh= l; ferner links und rechts der Türe zwei kleinere Tischchen. Sonst die übliche Einrichtung.

Frau Vevi im Matinee und Morgenhäubchen schaut zum geöffneten Fenster hinaus.

 

Frau Vevi: Welch herrlicher Morgen he= ute! (Kleine Pause; vom Fenster wegtretend und dasselbe schließend.) Ein Wetter, ganz zur Freude

geschaffen. Ich wäre aber auch ohnedies froh und beglückt. Sinds heute doch 80 Jahre, daß mein lieber Mann das Licht der Welt erblickte. Wie

freute ich mich doch schon lange auf = den heutigen Tag. Ist er doch trotz seines hohen Alters noch gesund und rü= stig und von mehr als ein halbes

Jahrhundert nebeneinander und vor 5 J= ahren schon konnten wir unsere Goldene feiern. Ach wie gut hat es Gott mit uns gemeint!

 

2. Szene

 

Senzi tritt mit einer Geburtstagstort= e ein.

 

Senzi: Guten Morgen Frau Hagner! Hab = mir gleich gedacht, Sie so früh schon anzutreffen. Nicht wahr, das sch&oum= l;ne Fest trieb Sie so früh aus den

Federn?

 

Fr. Vevi: Ei freilich liebe Senzi! Oh= ne daß mein Alterchen erwachte, bin ich durchgebrannt. Er darf ja erst kommen, wenn alles in schöner

Bereitschaft ist. Wie ich sehe, hast = Du mir alles gut vorbereitet. (Geht auf die Torte zu). Also da haben wir unsere Geburtstagstorte. Schön

hats Herr Zabes gemacht; allen Respek= t!

 

Senzi: Ja wunderbar ist sie und schau= ens nur die 80 Silbersterne ringsum am Rande- ich habs am Herwege gezählt - und dann die große goldene 80

in der Mitte. Ei, wie fein! Wo stelle= n wirs denn nur hin?

 

Fr. Vevi: Selbstversändlich in d= ie Mitte des Tisches, ich habe schon Raum gemacht, der Gogelhopf mußte e= twas weichen. (Horcht mach der linken

Seitentüre) Senzi, ich meine, es rührt sich was da drinnen; nur wird mein Männi wohl bald erschein= en.

 

Senzi: Ja, und ich will mich schleuni= gst entfernen; ich möchte heute beim Gutenmorgengruß nicht stör= en.

 

Fr. Vevi: Stören würdest Du= ja nicht; aber gell, wenn ich klingle, bringe den Kaffee gleich; heute mu&szli= g; es klappen.

 

Senzi: Gewiß liebe Frau, es sol= l an nichts fehlen. (Ab)

 

Frau Vevi steht sich vor den Spiegel = und zupft ihr Morgenhäubchen zurecht.

 

Frau Vevi: (Macht sich einen Finger).= Wart, wart altes Weiberl, ich glaube gar, du wirst noch eitel! Nein, Eitelkeit is= t es nicht, aber

gefallen will ich meinem Maxl und heu= te ganz besonders. (Horcht) Jetzt kommt er! (Steht erwartungsvoll)

 

3. Szene.

 

Die Türe öffnet sich und Ha= gner im Schlafrock und Hauskäppchen erscheint auf der Schwelle. Fr. Vevi ge= ht auf ihn zu und reicht ihm beide Hände.

 

Fr. Vevi: Guten Morgen mein lieber, l= ieber Max! (Küßt ihn) Herzlichen innigen Glückwunsch zu Deinem Achzigsten! Bleib mir gesund und froh noch

viele Jahrzehnte und hab mich auch fernerhin so lieb wie ich Dich!

 

Hagner: Dank, vielen Dank mein liebes= Frauerl! Aber noch viele Jahrzehnte sagtest Du? Ja mein liebes Weiberl, bist doch au= ch schon 77 durch!

Wollen wir beide gar über Hundert hinaus! Ich weiß ja, daß Du damit mehr an mich gedacht hast, ab= er Du meinst es doch gar zu gut mit mir.

Schau, Vevi, einmal muß der Her= rgott ein Ende machen mit uns und er weiß schon, wenn es Zeit ist. Lassen w= ir es getrost ihm über. Aber einen

Wunsch hätte ich dann: Da es wahrscheinlich doch nicht miteinander sein wird, so möchte ich halt zu= erst abreisen. Ich bin ja auch des Ältere.

 

Fr. Vevi: So und ich Du Grausamer? Ihr Männer seid halt alle ein bischen Egoisten. Meist Du, ich mag allein bleiben? Ich will dann auch nicht

länger allein auf dieser Welt umeinander hatschen. Dich, wo kommen wir denn hin mit unseren Gedanken! Weg damit! (Klingelt) Dein Wiegenfest ist

ja heute. Das wollen wir in stiller u= nd herzlicher Weise feiern und der langen Reihe von Jahren gedenken, die wir zusammen erleben durften.

 

4. Szene.

 

Senzi erscheint mit dem Kaffeebrett u= nter der Türe und stellt es auf ein Tischchen. Darauf tritt sie mit einem K= nix vor den Herrn.

 

Senzi: Recht guten Morgen Herr Hagner! Alles Gute zum heutigen 80. Geburtstag und noch lange frohe Gesundheit und dereinst den Himmel.

 

Hagner: Danke Dir, liebe Senzi! Wei&s= zlig; schon, daß Du mirs gut meinst. Nochmal vielen Dank! (Senzi geht mit e= inem Knix ab)

 

Fr. Vevi hat inzwischen die Kaffeekan= nen auf den Tisch gestellt.

 

Fr. Vevi: So, nun aber zum Frühstück, Alterle! Wir dürfen den Geburtstagskaffee nicht k= alt werden lassen.

 

(Hagner gehr an den Tisch und sieht d= as festliche Gedeck)

 

Hagner: Ja schaut nur da her, wie schön! Ich sags ja, ich hab ein Prachtweiberl und die wunderbare Torte! Aber Vevi, das ist fast zu viel; ich

wäre mit dem Gogelhopf allein sc= hon auch zufrieden gewesen.

 

Fr. Vevi: Nein, so muß es sein,= an so einem hochwichtigen Fest darf man schon ein Übriges tun. Freut Dich de= nn die Torte nicht?

 

Hagner: Natürlich liebes Weiberl= , das ist ja das reinste Meisterstück.

 

Vevi führt ihn an seinen Platz, = gibt ihm Zucker in die Tasse, schenckt Kaffee ein und bietet ihm Gogelhopf.

 

Fr. Vevi: Weißt, die Torte gehört zum Wein, den Julie und ihr Mann geschenkt haben. (Sie zeigt auf den Nebentisch, auf welchem zwei größere und

eine kleinere Flasche und andere Gesc= henke zu sehen sind.)

Das Fläschchen Heidelbeerlik&oum= l;r, den Du so gerne trinkst, ist von  mir und auch das Kistchen Figaro. Du sollst auch fernerhin Deine gut= e

Sonntagszigarre haben.

(Sie trinken Kaffee)

 

Hagner: Ich sags ja, ihr verwöhn= t mich schon ein bischen arg. Sehe ich recht? Tabak und auch eine neue Pfeife lieg= t da drüben. Dies hat gewiß

Anton spendiert?

 

Fr. Vevi: Ganz richtig, das ist von D= einem Schwiegersohn; er weiß ja, daß Du nach TIsch am liebsten ein Pfeifchen schmauchst. Hoffentlich hat

er die rechte Sorte erraten.

 

Hagner: Und wie! Ich sehe es schon von weitem: Muff Muff und Holländischer Farinas. Das gibt eine ausgedehnte Mischung. Wie er doch an alles

denkt!

 

Fr. Vevi: Ja er ist ein prächtig= er Mensch und unsere Julie hats gut getroffen. Fleißig und brav ist er, = das muß man sagen.

 

Hagner: Und tüchtig und erfahren= im Geschäft wie selten einer.

 

Fr. Vevi: Dabei ist er so lieb und vorsorglich für seine Familie. Ein Fehler, den er früher hatte, i= st nun gottlob abgelegt.

 

Hagner: Ach Du meinst seine Freude an= den Bergen.

 

Fr. Vevi: Freude an den Bergen? Ja das haben wir beide ja auch und zwar heute noch. Aber weißt unser Schwiegersohn triebs früher schon etwas

stark. Das ging über die Bergfre= ude hinaus, das war übertriebener Sport. Keinen Sonn- u. Feiertag zu Haus; immer auf den Bergen und dann die

waghalsigsten Kletterpartien. Ich weiß, was unsere Tochter damals ausgestanden hat. Wie oft hat sie mir vorgeweint.

 

 

Hagner: Ist sie denn nicht immer auch mitgegangen?

 

Fr. Vevi: Früher freilich, als n= och keine Kinder da waren. Aber dann als sie nicht mehr mitkonnte, da begann die schlimme Zeit.

 

Hagner: Ich kann mich schon derselben erinnern. Er setzte damals seinen Stolz darauf, als Alleingänger Neubesteigungen zu erfinden und hatte

auch staunenswerthe Erfolge. Gottlob = ist das nun vorüber; Ein kleiner Herzfehler, den er sich in den Bergen zuz= og, verhindert allzu kühne

Waghalsigkeiten.

 

Fr. Vevi: Gottlob und Dank wird beson= ders Julie sagen. Aber weißt Maxl, innerlich ist er noch der selbe. Ich könnte Dir manches sagen. Ein

junger Mensch, der auf alpinem Gebiet= e das nicht kann, was er seinerzeit leistete, der ist bei ihm nur ein Halber, Sein Obergeselle ist auch so

ein Draufgänger, wie Anton es li= ebt; drum hat er auch seinen Narren an ihm gefressen. Auf den hält er alles= .

 

Hagner: Ach, Du meinst den Hubert, der immer ein bischen ums Lisbetchen herumscharwänzelt?

 

Fr. Vevi: Ja den mein ich; pass auf, = da erleben wir noch etwas. Aber unsere Enkelin hat einen ganz anderen im Kopf.=

 

Hagner: Was Du  sagst, ja wen denn?

 

(Es klopft und Senzi öffnet die Türe)

 

 

5. Szene.

 

Fr.Vevi macht ihrem Mann ein Zeichen = zu schweigen. Lisbeth mit einem Geschenk in Papierhülle und Röschen = mit einem Blumenstock treten ein.

Röschen mit einem Knix vor den Großvater tretend:

 

Röschen: Liebes, liebes Großvaterle!

Höre, was die Enkelin

Heute wünscht mit frohem Sinn

Dir, dem Greis mit Silberhaar,

Schene Gott noch viele Jahr.

Zweimalhunderrausend Stund

Mindestens noch bleib gesund.

Und dereinst, nach langer Zeit,

Wink Dir Himmels Seligkeit.

 

Wieder einen Knicks machend und den Blumenstock überreichend.

 

Hagner: Ja Rösle, mei liebs Schneckerl! So einen schönen Verst hast Du gelernt und dann der herrli= che Blumenstock! (Schaur ihn bewundernd von

allen Seiten an)

 

Röschen: (Schmollend) Großvaterle. warum krieg ich heut kein Bussi?

 

Hagner: Gell, Herzle ich bin recht undankbar. Vor lauter Freud und Verwunderung hab i ganz drauf vergessen. Ko= mm her! (Röschen klettert ihm auf

den Schoß, schlingt die Arme um seinen Hals und läßt sich küssen.)

 

Röschen: (Wieder herunterspringe= nd) So jetzt freut mich Dein Geburtstag erst recht.

 

Fr. Vevi: Komm her zu mir Rösle,= ich weiß Dir auch was, das Dich freut.

 

Führt sie zum Frühstückstisch und schneidet ihr ein grosses Stück vom Gogelhopf herunter, in das Röschen&nb= sp; sofort hineinbeißt. Großmutter und

Röschen unterhalten sich in stum= men Spiel.

 

Lisbeth: (Zum Großvater hintret= end) Herzlieber Großvater! Laß auch mich, Deine ältere Enkelin sagen, was mich heute froh bewegt. Du weißt ja,

wie wir alle Dich verehren und lieben= . So kann auch ich Dir nur von Herzen alles Gute aus treuerster Seele wünsc= hen und so recht hoffen, daß Du

uns noch lange, lange Jahre erhalten bleibest. Nimm als kleinen Zeichen meiner Dankbarkeit dieses Hauskäppc= hen an, das ich für Dich stickte.

Mögest Du es recht lange gesund = und glücklich tragen.

 

Hagner: Danke Dir halt recht schö= ;n, liebe Liesbeth für Deine gutgemeinten Wünche und das hübsche= und praktische Geschenk. (Zeigt der Frau das

Käppchen)

Da schau Vevi wie nett!

 

Vevi: Ja wirklich reizend! So . (nimm= t ihm das alte Käppchen ab) jetzt wird mein Käppchen oensioniert und das neue kommt zu Ehren. (Setzt ihm

das Käppchen auf)

 

Röschen: (In die Hände pats= chend) Schaut nur, schaut nur, wie gut dem Großvaterle sein Käpple steh= t! Grad jung schaut er aus!

 

Hagner: Wart Du Schmeichelkatze° Achtzig Jahre und jung, da paßt gut zusammen.

 

Lisbeth: Aber das ist sicher Großvater, daß Du prächtig ausschast und sehr rüstig = bist Du auch!

 

Fr. Vevi: Ja das sagen alle unsere Bekannten. Neulich hat man ihn auf höchstens 65 geschätzt.

 

Hagner: Das war natürlich gar gut gemeint.

 

Lisbeth: Doch nicht zu sehr, lieber Großvater; soviel ist sicher, daß Dir niemand Dein ehrwürd= iges Alter ansieht.

 

Hagner: Und wißt Ihr auch, wem = ich mein frohes, gesundes Alter zu verdanken habe?

 

Röschen: Ja, sag es uns; ich möchte auch so alt werden wie Du.

 

Hagner: Gleich sollst Du es höre= n, kleiner Naseweis, und Du Lisbeth auch.

 

Liesbeth: Erzähle uns, Großvater, wir sind sehr gespannt darauf. (Sie setzen sich um ihn her= )

 

Hagner: Mein Alter und meine Gesundhe= it verdanke ich nächst Gott meinen lieben seligen Eltern, die mich vernünftig und ohne Verweichlichung

erzogen. In meinen Jünglingsjahr= en die richtigen Wege wiesen und mich rechtzeitig vor gefährlichen Verwirrung= en warnten. Frühzeitiges Turnen,

Schlittschuhfahtren und Rodeln im Win= ter, im Sommer schwimmen und Bergsteigen waren mir liebste Erholung. Besonders letzteres ohne Übermaß

ausgeübt stärkt die Glieder= und kräftigt Herz und Lungen. Seht, liebe Kinder, so trieben ich und die Mutter es Jahre hindurch und blieben so

gesund und wiedersandsfähig. Wer= ktags emsiges Schaffen - Sonntags Erholung im Freien und auf den Bergen. Das ist = das ganze Geheimnis unsrer

Rüstigkeit. Natürlich haben= wir mit zunehmendem Alter langsam gebremst. Aber vor zwei Jahren waren wir doch noch zusammen auf dem Stuiben.

 

Röschen: Auf dem Stuiben! Großvater, da war ich mit Papa am Sonntag das zweite Mal schon. Wenn = ich vor den großen Ferien ein gutes Zeugnis

bekomme, dann nimmt er mich im Juli s= ogar auf das Nebelhorn. Vater sagt, ich müsse auch eine richtige Bergkraxle= rin werden.

 

Liesbeth: Ja das wünscht der Vat= er von senen beiden Mädeln. Was hab doch ich schon alles für Touren mit = ihm gemacht.

 

Hagner: Siehst, Vevi, so sind unsere = Enkel; sie sind von unserem Blute und das freut mich.

 

Liesbeth: So, nun hätte ich bald= etwas sehr Wichtiges vergessen. Von meinen Eltern soll ich einstweilen Grüße ausrichten: sie kommen um 11 Uhr

zum Gratulieren und nehmen Euch dann = zu uns mit. Wir wollen heute gemeinsam einen recht netten und gemütlichen Geburtstagsschmaus halten.

 

Hagner: Ei, ei! Da tun wir schon mit,= gell Alte.

 

Vevi: Ja freilich! Aber das bitte ich= mir aus: Abends seid Ihr dann alle bei uns. Wir müssen doch der Geburtstagstorte bei gutem Punsch den

Garaus machen.

 

Röschen: Ist das so was, wie es = unsere Mutter an Sylvesterabend machte?

 

Liesbeth: Ja, das nämliche, aber= so viel trinken darfst Du nimmer wie damals. Du wirst schon wissen warum. (Zu = den Großeltern): Aber jetzt müßt

Ihr mich entschuldigen. Nachdem wir h= eute so liebe Mittagsgäste haben, muß ich frühzeitig zum Rechten sehen. (Zu Röschen) Komm Rösle, sag jetzt

schön adje! Wir müssen jetzt gehen.

 

Röschen: Ach liebe Liesbeth, la&= szlig; mich doch noch ein bischen bei den Großeltern! Heute ist ja Sonntag u= nd keine Schule!

 

Liesbeth: Nun so bleib halt noch da. = Aber um 10 Uhr mußt Du daheim sein! Da will die Mutter mit Dir in die 10 U= hr Messe.

 

Hagner: Ja laß sie da, ich werd= e sie rechtzeitig wegschicken.

 

Liesbeth: Also behüte Dich Gott, lieber Großvater, und auf frohes Wiedersehen heute Mittag. Bring nur einen recht guten Appetit mit!

 

Hagner: Ich denke, daran wird es nicht fehlen. Behüt Dich Gott liebe Lisbeth und grüß mir Deine Eltern!

Lisbeth und Fr. Vevi gehen.

 

6. Szene.

 

Großvater und Röschen.

 

Röschen: Schau, Großvaterl= e, jetzt sind wir ganz allein (Schmeichelnd sich an ihn schmiegend) Gell jetzt erzählst Du mir das schöne Märchen vom

Bergkönig

Montan und der Fee Edelweiß! Bi= tte, bitte!

 

Hagner: Ganz gern mein liebes Frätzchen. Aber zuvor muß ich Dich noch  Verschiedenes fragen.

 

Röschen: Was möchtest Du wi= ssen?

 

Hagner: Du, wer hat Dir denn mein Geburtstagsgedicht gemacht, das Du so nett gesagt hast?

 

Röschen: Das Gedicht? Das hat mi= r der Herr Lehrer Arnold gemacht.

 

Hagner: Ist das Dein Lehrer?

 

Röschen: Nein, leider nicht. Er = hat doch den 4.Kurs und ich bin doch noch im dritten.

 

Hagner: So; ja woher kennt er Dich da= nn?

 

Röschen: Ja weißt, der woh= nt uns gegenüber. Wenn mich meine Schwester in die Schule begleitet, so treff= en wir meist mit ihm zusammen; er hat ja

den nämlichen Weg.

 

Hagner: Begleitet Dich Liesbeth oft i= n die Schule? Du würdest doch gewiß den Weg allein finden.

 

Röschen: Das schon, aber der Herr Lehrer und Lisbeth meinen, ich könnte unter ein Auto kommen und drum g= eht sie jetzt immer mit. Weist der Herr

Lehrer ist immer so nett und so freun= dlich.

 

Hagner: So, nett und freundlich? --- = Mit Dir Röschen?

 

Röschen: Freilich, mit mir schon= auch!

 

Hagner: Gell, aber mit der Schwester = noch mehr?

 

Röschen: Mhm; aber woher wei&szl= ig;t Du denn das, lieber Großpapa?

 

Hagner: Liebes Kind, die Großväter wissen immer ein bischen mehr wie kleine Kinder. Seid = Ihr sonst auch schon wo zusammen getroffen.

 

Röschen: Doch: Einmal auf dem Badewege, als Liesbeth und ich zum kleinen See gingen, und ein anderes Mal,= wie wir über den Illerdamm nach

Rauhenzell zm Förster mußt= en, um Holz zu bestellen.

 

Hagner: Was es doch für Zufä= ;lle gibt! War da der Herr Lehrer auf dem ganzen Wege bei Euch?

 

Röschen: Ja, und da hat ihm Lies= beth auch von Deinem kommenden Geburtstage erzählt.

 

Hagner: So, die Liesbeth hat es ihm erzählt?

 

Röschen: Ja, und da hat er gleich gesagt, dazu mache er für mich ein kleines Gedicht.

 

Hagner: Das scheint ja ein recht leib= er Herr zu sein.

 

Röschen: Freilich ist er das; me= ine Schwester sagt es auch immer.

 

Hagner: Was hat man sonst immer gespr= ochen?

 

Röschen: Ach, das weiß ich nimmer; meistens schickt man mich zum Blumenpflücken.

 

Hagner: Ei, freilich. das macht man i= mmer so. (Es klopft)

 

Röschen: (Mit heller lauter Stim= me) Herein!

 

Hagner: (Lachend) Du kleiner Naseweis= , das mußt Du mich rufen lassen.

 

8. Szene.

 

Hagner. Röschen und Weimerl.

 

Weimerl: Guten Morgen Herr Hagner!

 

Hagner: Guten Morgen Weimerl!

 

Der Briefträger kramt in seinem = Ranzen herum und bringt eine Zeitung, mehrere Briefe und eine lange braune Rolle z= um Vorschein. Er übergibt

alles Hagner, der die Sachen auf den = Tisch legt. Weimerl geht auf Hagner zu und sagt:

 

Weimerl: Hab schon von der Senzi gehört, was für ein hohes Fest im Hause gefeiert wird. Mach auch meine Gratulation und wünsche Ihnen noch

viele Jahre Gesundheit.

 

Hagner: Danke, lieber Weimerl! Heute = wird mir so viel Gutes und so oft ein langes Leben gewünscht, daß es = fast zu viel wird. Die kleine Hexe da

- (er weist auf Röschen) will mi= ch gleich noch zweihundertausend Stund haben.

 

Weimerl: Donnerwetter nei; wie lang wär denn das, Röserl?

 

Röschen: Das wußte ich auch nicht. Im 3. Schuljahr rechnet man erst bis 1000; aber meine Lisbeth hat ungefähr 20 Jahre herausgebracht.

 

Weimerl: Alle Hochachtung, Herr Hagne= r; da würden Sie ja rund 100 Jahre erreichen. Würde es Ihnen und Ihren Angehörigen vom Herzen gönnen.

 

Hagner: Glaub es lieber Weimerl. (Geh= t zur Zigarrenkiste und langt 2 Stück Zigarren heraus) Da habens's ein paar = gute Zigarrl; si sind von

meinen Sonntäglichen.

 

Weimerl: Dank schön, Dank sch&ou= ml;n! Die will ich aber mit Versand rauchen, (sich besinnend) das heißt, so weit es möglich ist.

 

Hagner: Aber Weimerl, was sagen's den= n? Sie sind doch noch ein so kluger und tüchtiger Beamter.

 

Weimerl: Ja, so sagt mei Kathi auch.<= /p>

 

Hagner: So, was sagt sie denn?

 

Weimerl: Sie sagt, daß sie wenig höhere Beamte kennt, die so leistungsfähig sind wie ich.

 

Hagner: Ei, ei! Ja die Frau muß= es wissen.

 

Weimerl: Nämlich mei Frau ist a = gute Rechnerin; sie ist von Döpshofen und hat im Rechnen an Einser g'habt.<= /p>

 

Hagner: Was hat sie denn ausgerechnet= ?

 

Weimerl: Sie hat ausgerechnet, da&szl= ig; ich in meiner 38jährigen Dienstzeit hin und her, stiegauf, stiegab rund 384 000 Km g'macht hab.

 

Hagner: Das ist wirklich eine großartige Leistung.

 

Weimerl: Das will ich meinen. Wenn ma= n das in die Höhe denkt, nachher könnt i da Mann im Mond an de Füaß Kitzle.

 

Hagner: Ha, ha, ha! Weimerl, wo hat i= hre Frau s'Rechna g'lernt?

 

Weimerl: In Döpshofe, wisset sie= , Post Gessertshausen. Aber der Dienst ruft. Wir höhere Beamte müssen a guets Beispiel geben.

 

Hagner: Wie lange wollens denn noch D= ienst machen?

 

(Fr. Vevi kommt wieder herein)

 

Weimerl: Noah lang, Herr Hagner, wenn= i kein Laufzettel krieg. Ich habs wie der Beamte im Simplizissimus.

 

Hagner: Wie hats denn der g'habt.

 

Weimerl: Ja, denn fat jemand g'fragt,= wies ihm geht, nachher hat er g'sagt: Guet, ich werd alle Tag älter, dümmer und zum Staatsdienst

geeigneter.

 

Hagner: (Lacht herzlich) Das ist famo= s!

 

Weimerl: Jetzt muß ich aber geh= en. Guten Morgen miteinander.

 

Weimerl ab.

 

9. Szene.

 

Fr. Vevi hat sich mit der eingelaufen= en Post beschäftigt und zwischen hinein mitgelacht. Dann zu ihrem Manne gewendet:

 

Fr. Vevi: Schau doch lieber Max, imme= r noch Gratulanten und hat doch die gestrige Abendpost schon so viel gebraucht. Du bist halt doch nicht

ganz vergessen von Deinen Freunden und Bekannten.

(Röschen die auch in den Briefen gerumgekramt hat)

Röschen: (jubelnd) Du Grossmamma= der Herr Lehrer Arnold hat auch geschrieben! Ich kenne seine Schrift!

 

Fr. Vevi: Du kennst seine Schrift wie= kann das sein?

 

Röschen: Ja weisst, das Geburtstagsgedicht, das ich vorhin sagte, hat er gemacht; schau ich habs vom Lernen her noch im Sack (zieht ein

zerknülltes Blatt heraus)

 

Fr. Vevi: (Das Papier glatt streichen= d und mit der Briefaufschrift vergleichend) ja es scheint dieselbe Handschrift zu sein.

 

Hagner: Da werden wir bald Gewissheit haben. (öffnet den Brief und list still vor sich hin; den Schluss laut) Ihr ganz ergebener Hermann

Arnold, Lehrer.

Ja, Röschen hat recht; es ist vo= n ihm. Ich fange an mich für den Herrn zu interessieren.

 

Fr. Vevi: Ich kenne auch ein junges Fräulein, welches Interesse für ihn hat.

 

Hagner: Ja mir dämmerts nach und= nach und ich werde versuchen Erkundigungen über jemand einzuholen.

 

(Röschen hat inzwischen die brau= ne Papierrolle eingehend betrachtet)

 

Fr. Vevi: Röschen vergiss nicht,= was Deine Schwester wegen der 10 Uhr Messe gesagt hat; es fängt an Zeit zu werden.

 

Röschen: Ja, Grossmutter, gleich= ; aber ich möcht halt noch zu gerne wissen, was in dem braunen Ding da drin i= st.

(Hagner nimmt die Rolle in die Hand)<= /p>

 

Fr. Vevi: Wer wird denn so vorwitzig = sein! Schokoladenplätzchen sind sicher keine drin, wie Du Dir vielleicht einbildest.

 

Hagner: Ach, lass sie noch so lange d= a (Er hat inzwischen den Inhalt der Rolle, einen grossen Bogen herausgenommen. Da= bei fällt auch ein Brief

auf den Boden, den Röschen rasch aufhebt und der Grossmutter gibt)

Ein Ehrendiplom! Was soll das sein?

 

Fr. Vevi: Es ist auch ein Begleitschr= eiben dabei, das wird schon Aufklärung bringen.

 

Hagner: Vevi, ich habe meine Brille n= ich zur Hand, bitte lies es mir vor.

 

Fr. Vevi: (zu Röschen) So Kind, nachdem nun die Rolle nichts Essbares enthält, kannst Du ruhig heimgeh= en.

 

Röschen: Aber das Märchen v= om Bergkönig Montan?

 

Fr. Vevi: Das kommt ein andermal; gehe jetzt.

 

Röschen: Ja nun will ich fort. Grüss Gott Grosspappa! Grüss Gott Grossmamma! (Reicht jedem die H= and und lässt sich auf die Wange küssen.)

(Röschen ab)

 

10. Scene.

 

Hagner und seine Frau

 

(Frau Vevi den Brief entfaltend und vorlesend.)

 

Deutsch Oesterreichischer Alpenverein= .

Sektion Allgäu-Immenstadt

Sehr geehrter Herr Hagner!

Hochgeschätzter Herr Jubilar!

 

Durch Beschluss einer ausserordentlic= hen Generalversammlung am 21. Mai 1874 wurde die Alpenverseins-Sektion Immensta= dt, die fünf Jahre lang

Bezirksverein der Sektion Augsburg wa= r, selbständige Sektion. Das ist heute mehr als 50 Jahre. Seit dieser lan= gen Reihe von Jahren gehören sie

uns als treues opferwilliges und hochgeschätztes Mitglied an. Wenn sich unsere Sektion anschickt am kommenden 5. Juli ihr 50 jähriges Jubiläum

festlich zu begehen, so betrachtet si= e es als ihre heiligste Pflicht an diesem Tage ihres einzig noch lebenden Gründungs-Mitgliedes des

hochverehrten Herrn Max Hagner zu ged= enken, und ihm gerzlich für seine treue Mitgliedschaft zu danken. Um diesem so sehr verdienten Danke

beredten Ausdruck zu verleihen, erlau= bt sich die Sektion Immenstadt Sie zu ihrem Ehrenvorsitzenden zu ernennen und bittet Sie höflich diese mit

Recht zu erkannte Ehrung gütigst annehmen zu wollen. Anbei erhalten Sie die von der Vereins-Vorstandschaft unterzeichnete Urkunde und es freut

uns ganz besonders Ihnen dieselbe ger= ade an Ihrem 80igsten Grburtstage, zu welchem Sie die Sektion herzlich beglückwünscht ausfolgen zu können.

Zum offiziellen Festakt am 5. Juli si= nd Sie höflich mit Ihren Familienangehörigen eingeladen. Mit dem aufrichtigsten Wunsch dass sich unsere

Sektion noch recht lange Ihres Ehrenvorsitzenden zu erfreuen vermag, zeichnen im Namen der Vorstandschaft.=

Kobe. Schmuck. Götzger.

 

(Schauen sich einen Moment ganz verdu= zt an. Vevi fasst sich zuerst)

 

Fr. Vevi: Ja Maxl, eine solche unerwa= rtete Ehrung! Das ist ja grossartig! Und wie rührend: gerade heute an Deinem Geburtstage! Nein wie mich

das für Dich freut! Ehrenvorsitz= ender -- mein Gotr, was hab ich jetzt für einen bedeutenden Mann. Jetzt bin = ich schon recht froh, vor 55 Jahren

Dich und nicht den schwer reichen Käsmeier geheiratet zu haben.

 

Hagner: Du kommst aber recht spä= t zur Einsicht.

 

Fr. Vevi: Nich im mindesten lieber Ma= x, früh genug, sonst wärst Du nicht mein Mann.

 

Hagner: Allerdings. Du, wie ging dies damals, dass wir doch zusammen kamen?

 

Fr. Vevi: Ach das hab ich doch lä= ;ngst erzählt. Du hast es halt wieder vergessen!

 

Hagner: Bitte, frische es mir nochmal= auf!

 

Fr. Vevi: Gerne, also höre: Es w= ar einmal eine törichte Jungfrau. Die vernünftige Eltern hatten ihr einen braven und tüchtigen Geschäftsmann

zugedacht. Das Gänschen aber mei= nte, schöner wäre es sich ins Volle hineinsetzen zu können und li= ess sich von einem Geldsack den Hof machen.

Eines Tages wurde sie von ihrem Vereh= rer - die Eltern schickten natürlich auch die Schwester mit - zu einer Stuibenpartie eingeladen. Der

schwierige Aufstieg in das Almagmah gelangen Für den Heimweg machten die beiden Mädchen den Vorschlag über den Steineberg den Abstieg zu

machen, was auch versucht wurde. Da, = auf dem Grat wo man so schön ins Gunzesrieder Tal hinunter sieht und wo je= tzt zur Sicherung Drathseile

angebracht sind wie Espenlaub und get= raute sich weder vor - noch rückwärts. Wie ein Häufchen Elend sass= er da. Kurz entschlossen nahmen ihn

seine Begleiterinnen zwisctängel= ten den Helden mit grossem Zeitaufwand zwar aber glücklich hinüber. D= iese Berg-Partie kurierte. Sie dankte für

solch einen Führer durchs Leben = und nahm zur grossen Freude der Eltern - - - Dich.

 

Hagner: Ha, Ha, Ha! Jetzt fällt = mir alles wieder ein. Jahreweis darnach war mir Käsmeier findlich gesinnt = und erst machdem er sich selbst

verheiratet, liess er wieder bei mir arbeiten.

 

Fr. Vevi: Seine Frau war im Gegenteil= immer recht nett zu mir.

 

Hagner: Dazu hatte sie auch allen Gru= nd; hast Du ihr doch den Käsmeierschen Geldsack grossmütig überlassen. (nachdenkend) Ich kann es fast

nicht glauben, dass ich schon volle 50 Jahre im Alpenverein bin. Und doch es stimmt. Anno 1869 haben wir geheiratet und im Jahr 1874

beschlossen drei Freunde und die gelegentlich einer Hochvogel-Partie gemeinschaftlich im die damals selbständig gemachte Sektion einzutreten.

 

Fr. Vevi: Ja, ja wie die Zeit vergeht= ! Aber höre Du Herr Ehrenvorsitzender fällt nun von Deiner Würde und Deinem Glanze nicht auch für mich ein

bischen was ab?

 

Hagner: (Lachend) aber natürlich= Du bist jetzt meine Ehrenvorsitzende.

 

Fr. Vevi: Wart Du Schlingel wenn Du  mich hänselst! Nun aber schne= ll zu unsern Kindern, die werden staunen, was wir für Neuigkeiten bringen.

(Holt die Urkunde und den Brief vom T= isch und übergibt beide mit tiefer komischer Verbeugung ihrem Manne:)

 

Herr Ehrenvorsitzender!

 

Hagner: (Er mit eben solcher Verbeugu= ng:

 

Frau Ehrenvorsitzende!

gib Dir mit Grandezza den Arm und bei= de gehen lachend ab.

 

Vorhang fällt!

 

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2. Aufzug-

 

Eine Malerwerstätte mit entsprec= hender Ausstattung. Man sieht teils vollendete, teils angefangene Arbeiten, die si= ch auf das Sektionsjubiläum

beziehen. In einem Glas ein Buschen Edelweiß. Auf dem Arbeitstisch hinter Farbkübeln versteckt eine Flasche Bier. Auf einem Telle

Häringsüberreste.

 

1. Szene.

Obergeselle Hubert Fleiner.

 

Hubert: (Sich streckend und gähn= end) U-a-h-! O mein Kopf! Wen den nur ein anderer hätt. Ich möcht nur wissen, wer mit den Harung im Rucksack

einipraktiziert hat? Wahrscheinlich  d' Afra. Die hat gwiß a Vora= hnung von meim heutigen Magen g'habt und  - i mueß sagn - guet hat sie es

erraten. So was kann i heut brauchen. (Ißt und trinkt). Aber zünftig wars halt gestern doch wieder im Oytal hinten. A feins Kleeblatt war' mer

scho bei einander: I und der Ganterer= und der Huber Franzl. Herrgott, was haben wir drei wegrtrunken. I möcht gr= ad alls bei einander in einem

Schaffl sehen; dös müß= ;t a schöner Gumpen sein. Und nix, gar nix hat's kost. Die fidelen Stuttgar= ter Herrn haben a solche Freud an unsere

Viechereien g'habt, daß sie die= ganze Sause zahlt habn. Sogar an Mittagsfraß hab'ns gstift. Dös is so = mei Fall; a so mag is! Auf'n Schneck hab

i wolln, aber da is sauber nix draus = wor'n. Dös wenn der Meister wüßt! Aber's hat scho net sei soll'n. All's hat z'sammg'holf'n. Scho beim

Kaffee bin i z'lang sitzen blieben. W= as mueß auch die schwarzaufet Afra so a bildaubers Madl sei. Und wie lien als sie mir tua hat. Schneck - -

(sich besinnend) ach was, d'Afra is a= uch a Schneck und zwar ganz a lieber. (Nachdenkend) Ja wenn der Ganterer und dann noch das größere Vieh,

d'r Franzl net kommen wär'n! Mac= ht nix! G'sunga haben wir, tanzt, plattlt, g'suffa -- schö wars. (Iß= ;t und trinkt) So is halt auf eimal Abend

wor'n und höchste Eisenbahn wars= , wia i nach Oberstdorf komma bi'. Grad an Busch'n Edelweiß hab i no kauf'n könna und scho hats's Zügle pfiffa.

Iaz mues i halt in Gotts Namen da Mei= ster a biss'l a'bleameln. Es is ja net 's erste Mal. Was is er auch so neugierig. = An jedem Montag soll i

eahm alles auf's Tüpfle sagen, w= as i am Sonntag vorher g'macht hab. Seitdem er keine erstklassigen Touren mehr machen darf, will er sich's

wenigstens erzähln lassen.

 

(Horcht und verräumt schnell Häringsrest und Bierflasche)

 

2. Scene.

 

Lisbeth und Roserl, letztere mit Schulranzen.

 

Liesbeth: Guten Morgen Hubert!

 

Hubert: Recht guten Morgen, Frl. Lisb= eth. Es macht mir großes Vergnügen, Sie heute schon begrüß= en zu dürfen.

 

Lisbeth: Um Ihnen Vergnügen zu m= achen, bin ich allerdings nicht gekommen aber isch soll Ihnen in Vaters Auftrag sa= gen, daß Sie für die Arbeiten

im Gesellschaftshause die nötigen Farben zubereiten sollen.

 

Hubert: Ich war gerade daran, die Sac= he zu machen.

 

Lisbeth: Also ich habe meinen Auftrag ausgerichtet. Guten Morgen!

 

Hubert: Frl. Lisbeth! Ich hab Ihnen w= as vom Schneck mit'bracht. (Langt nach den Edelweiß und hält sie Lisbeth hin, welche aber sofort die Hände

auf den Rücken legt.)

 

Röschen: Ah, die schönen Edelweiß! Da war es gewiß recht gefährlich, wo sie die g'h= olt haben?

 

Hubert: Gefährlich? Für and= ere vielleicht, für mich nicht! Übrigens und wenn auch. Es kommt ganz darauf an, für wen man's holt. Für Sie,

Lisbeth, würde ich zehnmal mein = Leben wagen.

 

Liesbeth: Herr Fleiner, ich möch= te Ihnen allen Ernstes sagen, daß ich nie die Ursache eines solch frevelhaften Beginnens sein will. Merken Sie

sich das für alle Zukunft

 

Hubert: Aber diesen Strauß nehm= en Sie doch noch an?

 

Lisbeth: Tut mir leid. Ich könnte jetzt nicht mit ihm machen, selbst wenn ich ihn wollte. Ich begleite jetzt meine Schwester zur Schule und

dann habe ich noch verschiedene Einkäufe zu machen. Nebenbei bemerkt (etwas spöttisch) nehmen Sie= zum Edelweißpflücken jedesmal roten Bindfaden

mit?

(Hubert zuckt ärgerlich zusammen= , sagt aber nichts.)

 

Röschen: Aber gell, liebe Lisbet= h, nach der Schule darf ich die Edelweiß schon holen.

 

Lisbeth: Wenn Herr Fleiner sie Dir sc= henkt, habe ich nichts dagegen. Nun haben wir aber Zeit! Grüß Gott!

 

Röschen: Aaje Hubert! Gell am Rückweg darf ich den Strauß mitnehmen.

 

(Liesbeth und Röschen ab.)

 

Hubert nichte zerstreut und siehr den= sich Entfernenden ärgerlich nach.

 

 

3. Scene.

 

Hubert allein.

 

Hubert:  Das heißt also auf gut deuts= ch: Ausgrutscht. Macht nichts. Eine richtige Festung ergibt sich nicht im erste= rn Ansturm. Wie dumm von

mir, daß ich den roten Faden ni= cht weg hab vom Strauß. Sie wird doch nichts ahnen. Wenn mich nur der Leh= rer Arnold nicht verschwätzt. Er ist

über's Himmelseck vom Hochvogel runterkommen und hat im Oytalhaus zugekehrt. Sicher hat mi der g'sehn und dös is mir schon recht z'wider.

Überhaupt hab i den Menschen a b= iss'l dick. I mein allweil, der macht mir Konkurrenz. A paarmal schon hab' i mit = d'r Lisbeth und der Rosl

zusammen g'seh'n. Himmel Laudon! D'Li= sbeth mueß mei wer'n. So nett wie d'Afra is ja net; Aber Hubertl sei g'sche= it. A schöns G'schäft und

d'Lisbeth als Dreingab' kann ma' sich= scho g'fall'n lassen. Und der Lehrer? Ha, den brauch i net z'fürcht'n; der = kann mir netan. Erstens is er

kei Maler und einen solchen will der = Buhl als Schwiegersohn; zweitens is er auch kei Bergsteiger, so wie's dem Meister g'fällt. Was macht er

denn, der Lehrer? O mei, nichts als w= as deder andere auch kann. Daß er neuliche den verstiegenen Buchbinderlehrling von der Höfats runtergeholt

hat? O jegerl, dös hätt ich= auch können, blos wär i wegen so einem Lausbuben net naufgangen. W&aum= l;r er heruntengeblieben (Holt ein Stück Häring

aus der Schublade) Aber acht haben mueß i scho dich auf den Lehrer. I trau auch der Lisbeth nicht ganz - (besinnt sich) ach was, frisch gewagt

ist halb gewonnen. I darf sie Sach' n= immer lang nausziehen. Heut no werd' ich beim Meister auf d'Staud'n klopfen. (Hor= cht) I glaub, er kommt

schon. (Macht sich fleißig an d= ie Arbeit.)

 

4. Scene.

 

Meister Buhl und Hubert.

 

Hubert: Guten Morgen Meister!

 

Buhl: Guten Morgen Hubert! Hat Ihnen s'Liesbeth meinen Auftrag überbracht?

 

Hubert: Jawohl, und ich bin nahezu fe= rtig damit.

 

Buhl: So is recht. Die Arbeiten f&uum= l;r den Alpenverein drängen. (Nach einer kleinen Pause) Was habens denn am gestrigen Sonntag gemacht?

 

Hubert: Nichts von Bedeutung. Ein Fre= und von mir und ich waren vormittags auf dem Schneck, nachmittags wollten wir d= en Höfatsgipfeln einen

Besuch machen. Leider verstauchte sich Huber Franzl, so heißt mein Freund, durch einen ungeschickten Absprun= g im Gaisbachtobel den linken Fuß

derart, daß ich ihn nur mit M&u= uml;he ins Oytalhaus bringen konnte. So verging die schönste Zeit nutzlos.

 

Buhl: Das wird Sie schön geä= ;rgert haben.

 

Hubert: Sie können es sich denke= n, Meister.

 

Buhl: (Sieht den Edelweißbusche= n) Ah, die schönen Edelweiß! Für wen sind sie bestimmt, wenn ich fragen darf? Es wär doch schad, wenn die

schönen Sterne hier in der Werks= tatt verkümmern müßten.

 

Hubert: Ich weiß nicht, ob Sie = nicht zornig werden, wenn ichs offen ehrlich sagen will.

 

Buhl: Offenheit und Ehrlichkeit hab i= ch gerne; nur raus damit.

 

Hubert: Ich möchte (zögernd= ) ich wollte sie Ihrer Tochter Lisbeth verehren.

 

Buhl: Dachte ich mir's doch. Schauen's Hubert, jetzt will auch ich offen und ehrlich sein. Ich weiß, Sie seh= en meine Lisbeth gern (Hubert

stellt sich verlegen und wendet sich = ab.)

 

Sie brauchen sich nicht verlegen abzuwenden. Ich muß Ihnen gestehen, ich sah's gar nicht ungern so kom= men. Sie sind ein tüchtiger Arbeiter und

geben einmal einen brauchbaren Nachfo= lger für mich im Geschäft. Also, wenn Sie es ernst mit Lisbeth meinen,= und sie dereinst als Frau wollen,

bei mir werden Sie kein Hindernis fin= den.

 

 

Hubert: Herr Buhl, Sie machen mich zum glücklichsten der Menschen. Schon lange lieb ich Ihre Tochter im Still= en.

 

Buhl: Dann haben Sie noch etwas, was = mir an Ihnen gefällt: Sie sind ein echter verwegener Bergsteiger, so wie es a= uch ich in jungen Jahren war.

Das ist der zweite Grund, warum ich S= ie als Schwiegersohn begrüße.

 

Hubert: Es ist nur schade, daß = ich schon alle Feinheiten unseres Allgäuer Gebieten schon gemacht habe; ich möchte stets mit etwas Neuem

aufwarten können.

 

Buhl: Ist nimmer nötig, lieber H= ubert! Ich weiß ja, daß Sie der Besten einer sind. Und noch was. Und n= och was. Unsere Besprechung bleibt

vorläufig unter uns. Meine Frau = werde ich natürlich verständigen.

 

Hubert: Ganz wie Sie's sie wünsc= hen, Meister. Ich danke herzlich für das mir erwiesene Vertrauen.

(Sie schütteln sich kräftig= die Hände)

 

Buhl: So und nun wieder an die Arbeit; Gehen Sie ins Gesellschaftshaus voraus. Ich komme in längstens einer halben Stunde nach.

(Hubert packt einige Sachen zusammen = und geht.)

 

5. Scene.

 

Buhl allein.

 

Buhl: (Reibt sichdie Hände) Brav= o! Es geht ganz wie ich mir seit langem wünschte. Bei meiner Tochter fü= rchte ich keinen Widerspruch; sie war

stets brav und folgsam. Meine Frau - = - ? Da fühle ich mich doch nicht ganz sicher. Sie hat noch nieviel übrig gehabt für Hubert. Warum? - - -

Ach was, Weiberlaunen! Das wird zu überwinden sein.

 

6. Scene.

 

Buhl und seine Frau.

 

Buhl: Du kommst wie gerufen, Julie, g= erade dachte ich an Dich.

 

Fr. Julie: Das ist ja sehr schon von = Dir.

 

Buhl: Schade, liebe Julie, daß = Du ein bischen zu spät kamst. Ich hatte gerade mit Hubert eine Besprechung und ich hätte Dich gerne dabei

gehabt.

 

Julie: Mich? Ihr sprecht ja auß= er Geschäftlichen doch immer nur von Schrofen, Kaminen, Hörnern, Traversen usw.

 

Buhl: Diesmal aber handelte es sich um etwas anderes. Um Hubert und unsere Lisbeth.

 

Julie: (Erstaunt) Um Hubert und Lisbe= th? Wie reimt sich das zusammen?

 

Buhl: Komm stell Dich soch nicht so; = Du weißt so gut wie ich, daß Hubert unsere Liesbeth möchte.

 

Julie: Ja, leider mußte ich die= s im jüngster Zeit beobachten. Hast Du auch was gemerkt, daß Lisbeth = ihn will?

 

Buhl: Nein, das allerdings nicht; abe= r wenn wir es ihr sagen, daß es unser Wille ist, dann wird das brave Kind gehorchen.

 

Julie: Unser Wille? Wer sagt Dir, da&= szlig; es auch der meine ist? Gib Dich darüber keinem Irrtum hin. Von mir aus kriegt der die Lisbeth nicht. Nie

geb ich meine Einwilligung.

 

Buhl: Aber Julie!

 

Julie: Jawohl, ich sags noch einmal, = Hubert soll meinetwegen ein recht guter Arbeiter sein - da will ich ihm nichts neh= men - ob er aber auch

ein guter Mensch ist, das wissen wir = beide nicht. Ich bin ihm schon auf ein paar Unwahrheiten gekommen und das kann mir absolut nicht gefallen.

Bei einem Menschen, der es mit der Wa= hrheit nicht genau nimmt, fehlt es meistens auch noch in anderen Stücken; weiß Gott, ob all die

grauenhaften Klettertouren, die er Di= r am Montag immer vorerzählt, auch gemacht wurden von ihm? Und gerade wegen dieser alpinen Leistungen, die

er vorgibt, bist Du ihm so geneigt wo= rden.

 

Buhl: Es ist schon richtig, das hat m= ich für ihn eingenommen. Aber lügen, nein, das tut der Hubert nicht. = Die Hauptsache ist ja doch, ein

vorzüglicher Arbeiter ist er in = meinem Gewerbe und einen solchen brauch ich als Schwiegersohn.

 

Julie: Es kann soch auch ein Nichtbergkraxler ein guter Malermeister werden. Im übrigen, Du hast ja noch eine Tochter, das Röschen.

 

Buhl: Du bist ja weg. Mei Rösle = ist ja doch erst im 9. Jahr!

 

Julie: Macht nix. Du bist kein Beamte= r und brauchst Abbau nicht zu fürchten. Bei Deiner Rührigkeit kannst Du noch gut 12 Jahre Dein Geschäft

leiten; dann ist Roschen bald 21 und heiratsfähig. Dein Schwiegervater hat sich auch erst mit 70 Jahren in = den Altenteil gesetzt.

 

Buhl: Du redest ja gerade daher, als = ob Du für d'Lisbeth schon was auf dem Teller hättest.

 

Julie: Und wenn es so wäre? Jetzt muß ich schon auch heraus mit der Farb'; Als Malersfrau steht mir's ja gut an. Unsere Lisbeth wird von einem

sehr ehrenwerten Manne in schöne= r Beamtenanstellung geliebt und begehrt. Lisbeth erwidert seine Liebe aufs innigste. Gestern hat sie mir

hochbeglückt darüber Mittei= lung gemacht.

 

Buhl: So und wer ist denn der Herr, w= enn ich fragen darf?

 

Julie: Das darfst Du freilich! Es ist= der Lehrer Arnold von hier. Am nächsten Sonntag will er kommen und uns um Lisbeth's Hand bitten.

 

Buhl: Ein Lehrer, was tu ich mit einem Lehrer?

 

Julie: Du brauchst mit ihm gar nichts= zu tun. Du darfst nur ja sagen und die Sache ist in Ordnung.

 

Buhl: (Hönisch) So ich darf ja s= agen. Verflucht nochmal, ich darf! Ja, wer ist denn der Herr im Hause? Hoffentlich noch ich! (Erregt auf und ab

gehend) Ich habe persönlich nich= ts gegen Herrn Arnold, noch viel weniger gegen seinen Stand; aber sage ihm in minem Namen, ich will ihn nicht

zu meinem Schwiegersohne, er darf mir= nicht ins Haus. Mein Schwiegersohn wird mein Obergeselle Freiner. Er hat mein Wort und ich denke, das

genügt.

 

Julie: Dein Wort, das Du sehr leichts= innig gegeben hast. Die Hauptperson, um die es sich handelt, unsere Lisbeth, hast= Du zuvor gar nicht

gefragt.

 

Buhl: War auch gar nicht nötig. = In einer Familie, in der es ordnungsgemäß zugeht, bestimmen die Elt= ern das Glück der Kinder.

 

Julie: Eltern? Du das sind zwei Perso= nen; ich tue aber nicht mit. Ich sehe das Glück meiner Lisbeth nicht in der= Ehe mit dem Obergesellen

Hubert Fleiner, sondern in der Verbin= dung mit Herrn Arnold. Mein Vater hat über den Lehrer an berufener Stelle Erkundigungen eingeholt und das

Ergebnis war ein sehr günstiges.= Alle Anzeichen sprechen also dafür, daß diese Ehe meiner Tochter viel Glück bringen werde.

 

Buhl: Du kannst mir nicht beweisen, daß eine Herat mit Hubert, wie ich sie wünsche, ein Unglück ist. So steht also Ansicht gegen Ansicht, nur

hat meine mehr Berechtigung, weil Hub= ert Maler ist.

 

Julie: Du hast vergessen zu sagen, we= il er ein schneidiger Draufgänger in den Bergen ist. Herr Arnold ist, wie mir Lisbeth sagte, ein eifriges

und tüchtiges Mitglied unserer Alpenvereins-Sektion, ein großer Bergfreund und machte viele Touren. =

 

Buhl: (Spöttisch) Was Ihr schon = alles über ihn wißt! (Nachdenkend) Doch halt, jetzt komm ich auf eine = gute Idee. -- Von Hubert weiß ich gewiß,

daß er in den Bergen Mut und Sc= hneid hat und daß er in den Bergen Mut und Schneid hat und daß er, wie ich in jungen Jahren, sogar sein Leben

aufs Spiel setzt, um irgend was Schwi= eriges zu bezwingen. Das ist wahrer Mut, den liebe und schätze ich, den soll = Euer Lehrer einmal zeigen,

dann will ich der Sache vielleicht näher treten.

 

Julie: Eine saubere Idee. Du willst a= lso Herrn Arnold Gelegenheit geben. Hals und Bein zu brechen, damit für De= inen Günstling Bahn frei wird.

Anton, das heißt freveln.

 

Buhl: Heiß es wie Du willst. We= nn er ein tüchtiger Kerl ist, dann geschieht ihm nichts. Hubert ist von der Tour, die ich im Auge habe, am

Sonntag vor drei Wochen heil heimgeko= mmen. Wenn also der andere die richtige Schneid hat, dann wird er's auch machen. =

(Lisbeth erscheint unbemerkt unter der Türe)

 

7. Scene.

 

Julie: Weißt Du aber gewiß= ;, daß der Hubert das von Dir Gedachte in Wirklichkeit gemacht hat?

 

Buhl: Jawohl! Hubert lügt nicht!= Also höre: Wenn Lehrer Arnold den Kleinen Wilden über den Blenk-Kamin bezwingt, und mir Beweise hierfür

erbringt, dann will ich klein beigebe= n. Kann er's aber nicht, so wird Hubert Lisbeth's Mann und dabei bleibt's.

 

Lisbeth: (Vorstürzend) Vater, di= ese Bedingung, um Gotteswillen, das kannst Du im Ernst nicht wollen!

 

Buhl: Und warum nicht?

 

Lisbeth: Vater, Du weißt doch, = woher dieser Kamin seinen Namen hat!

 

Julie: (Erschrocken) Woher Lisbeth?

 

Lisbeth: Mutter, weil der arme Willi = Blenk aus Kempten darin zu Tode stürzte.

 

Julie: Das ist ja entsetzlich! Anton,= ich fange an, Dich zu fürchten.

 

Buhl: Ist mir in diesem Falle gar nic= ht unlieb. Furcht ist die Vorstufe zum Gehorsam. So, jetzt richtet Euch darnac= h, ich muß weiter. (Geht

ab.)

 

Lisbeth: (Sich der Mutter an den Hals werfend) O mein Gott, jetzt ist alles, alles aus! (Weint)

 

8. Scene.

 

Lehrer Arnold und die Vorigen.

 

Arnold: Verzeihen, Sie werte Fr. Buhl, daß ich so unangemeldet und so ungestüm hier eindringe. Allein i= ch hörte einen Weheruf meiner (zögernd)

von Frl. Lisbeth, sah durch's Fenster= ihr Weinen - und nichts konnte mich mehr zurückhalten.

 

Julie: Es bedarf keiner weiteren Entschuldigung; die Umstände lassen dies erklären.

 

Lisbeth: (Die sieh von der Mutter losgemacht) Liebe Mutter (vorstellende Handbewegung) Herr Lehrer Arnold!

 

Fr. Julie: Es freut mich Herr Lehrer,= Sie, wenn auch auf eigenartige Weise, kennen zu lernen. Fremd sind Sie mir recht; wir sind ja Nachbarn

und mein Röschen erzählt mi= r gar oft von dem freundlichen Herrn Lehrer, der ihr das Geburtstagsgedicht f&uum= l;r den Großvater gemacht hat.

 

Arnold: Und hat Ihnen Frl. Lisbeth vo= n mir nichts mitzuteilen gewußt?

 

Lisbeth: Gewiß, Herr Lehrer, me= ine liebe Mutter ist von allem unterrichtet.

 

Arnold: (Frau Buhl fragend ansehend) = Und nun Frau Buhl?

 

Fr. Julie: Herr Lehrer, ich will es I= hnen jetzt schon sagen, daß ich von Anfang an Vertrauen zu Ihnen hatte. Me= in Vater, Lisbeth's Großvater.

hat dann auch noch Auskünfte &uu= ml;ber Sie eingeholt. Wollen Sie es dem alten Herrn nicht übel nehmen.

 

Arnold: Durchaus nicht; ich finde es = sogar ganz berechtigt. Es konnte sich ja um Wohl und Wehe seiner Enkelin handeln.=

 

Fr. Julie: Das Ergebnis der Umfrage w= ar ein so günstiges und zufriedenstellende, daß ich für meine Pers= on Ihnen meine Tochter gerne anvertrauen

würde.

 

Arnold: O, wie glücklich macht m= ich Ihr Vertrauen. Sie wissen ja von Lisbeth, daß wir uns herzlich lieben= und in unserer Vereinigung unser

höchstes Glück sähen. = (Er reicht Lisbeth beide Hände und sieht ihr innig in die Augen)

 

Fr. Julie: Leider denkt mein Mann nic= ht wie ich und wir hatten kurz zuvor einen stwas unangenehmen AUftritt.

 

Arnold: Ich sah ihn erzürnt aus = dem Hause gehen und fürchtete gleich die Ursache des Grollens zu sein.

 

Lisbeth: Ach Gott, hat mein Vater Sie beobachtet?

 

Arnold: Ich glaube nein; er blickte in einer anderen Richtung und ich konnte ihn deshalb auch nicht grüß= ;en.

 

Fr. Julie: Das ist besser unterbliebe= n. Mein Mann ist manchmal recht hitzig und hätte in der ärgerlichen Stimmung vielleicht Unpassendes

gesagt.

 

Arnold: Wenn Ihr Mann nun zurück= kommt, gibt es sicher eine neue Aufregung. Die möchte ich Ihnen ersparen und = will mich darum empfehlen.

 

Fr. Julie: Mein Mann kommt jetzt wahrscheinlich vor Mittag nicht nach Hause. Ich glaube, es ist am besten, I= hnen jetzt gleich alles Wesentliche

zu sagen.

 

Lisbeth: Liebe Mutter, aber sage gar = alles!

 

Fr. Julie: Lisbeth, überlasse das ruhig mir. Ich weiß schon, was Du befürchtest.

 

Arnold: Ich danke Ihnen dafür, daß Sie mich aufklären wollen. Herr Buhl weist also meine Werbun= g um Lisbeth ab?

 

Fr. Julie: Leider ja!

 

Arnold: Darf ich mich erlauben, auch = um die Gründe zu fragen?

 

Lisbeth: Er hat sich in den Kopf gese= tzt, mir seinen Obergesellen Hubert als Mann zu=   geben. Aber ich will ihn nicht und nehm in nicht

(Leidenschaftlich) Nie, nie!

 

Fr. Julie: Ja, Fleiner, so heiß= t er, soll sein Schwiegersohn werden. Er ist ihm besonders auch deswegen so genei= gt, weil er sich als recht

schneidiger Bergsteiger ausgibt.

 

Arnold: Fleiner (sich besinnend) den = kenne ich ja. Auf vielen meiner Touren bin ich ihm schon begegnet.

 

Fr. Julie: Wissen Sie uns nichts &uum= l;ber ihn zu sagen? Ich trau dem Menschen nicht!

 

Arnold: Mir ist nichts Nachteiliges über ihn bekannt. Aber wenn auch, so wie die Dinge hier liegen, wü= ;rde ich nie etwas. Das käme ja einer

Denunzation aus sehr selbstsücht= igen Gründen gleich.

 

Lisbeth: Siehst Du Mutter, was fü= ;r einen schönen Charakter der Herr Lehrer hat. Glaubst Du, Hubert wü= ;rde es in ähnlichen Falle auch so machen.

 

Arnold: Das bedarf meines Erachtens k= einer besonderen lobenden Erwähnung. Jeder anständige Mensch ist gewohn= t, so zu handeln.

 

Fr. Julie: Wenn es nur recht viele, v= iele solche anständige Menschen geben würde.

 

Arnold: Nun noch eine Frage: Hat Herr= Buhl ein bindendes, nimmer zu änderndes Nein ausgesprochen?

 

Fr. Julie: Das könnte ich nicht = direkt behaupten. Er hat aber die Einwilligung an eine Bedingung geknüpft, we= lche ich besser nicht sage. (Zu

Lisbeth) Nicht wahr, Lisbeth?

 

Lisbeth: Ja, liebe Mutter! Nie darf H= err Arnold dieselbe erfahren. Jetzt schon könnte ich sterben vor Angst, we= nn ich nur daran denke.

 

Arnold: Also muß ich Ihren Vater selbst fragen. Wenn ich sie erringen will, und das ist mein höchstes Z= iel, gibt es keinen anderen Weg.

 

Lisbeth: Ach bitte, bitte fragen Sie = ihn nicht!

 

Arnold: Diesen Wunsch kann ich erfüllen. Ich ahne jetzt ungefähr, worum es sich handeln wird. He= rr Buhl war in seiner Jugend ein hervorragender

Bergsteiger. Man erzählt sich ja= heute noch von seinen waghalsigen Touren. Herr Fleiner, mein Nebenbuhler, soll au= ch ein schneidiger

Bergsteiger sein. Was liegt nun n&aum= l;her. als daß mir irgend eine halbrecherische Leistung in der Hochtouristik zugemutet wird. Hab ich's erraten?

 

Fr. Julie: Und wie gut, Herr Lehrer. =

 

Lisbeth: Mein Gott, wie wird das ende= n?

 

Arnold: Beruhigen Sie sich liebe Lisb= eth, vor ich die mir gestellte Aufgabe näher kenne, kann ich Ihnen jetzt sc= hon sagen, daß ich nie auf

derartiges eingehen werde. Schon wegen meines alten Mütterchen zu Hause nicht, die niemand mehr hat als mich. Glauben Sie, ich könnte ihr das

Leid antun, sie durch mißgl&uum= l;ckte Waghalsigkeit alleine zu stellen? Auch möchte ich das Schicksal nicht frevelnd herausfordern. Wenn Sie

teuerste Lisbeth mir bestimmt sind, u= nd ich hoffe nichts sehnlicher, so kommen wir auch zusammen. Das Herz ihres Vaters wird nicht von Stein

sein.

 

Fr. Julie: Sie haben ganz recht werte= r Herr Lehrer! Ich hoffe auch in diesem Sinne; die Schale ist zwar etwas rauh, aber der Kern, das Herz

meines Mannes, ist gut.

 

Lisbeth: Gott Lob und Dank! Ich atme = wieder freier.

 

Arnold: Nun möchte ich aber doch= - wenn auch nur aus alpinen Interesse - wissen, welche Bedingung ich zu erfüllen gehabt hätte?

 

Lisbeth: Jetzt getraue ich mir es Ihn= en zu sagen: Sie sollten den Kleinen Wilden durch den Blenkkamin machen.

 

Arnold: Eine schwere Aufgabe und schön, aber nur in der Erinnerung des Siegers. Wer weiß zuvor, w= ie es endet? Der arme Blenk mußte sein Leben

lassen.

 

Lisbeth: Ach, Herr Lehrer, drum hatte= ich auch so furchtbare Angst um Sie.

 

Arnold: Liebe, arme Lisbeth! Was hast= Du um mich gelitten!

 

Julie: So ist's recht, Herr Lehrer. I= ch müßte es als unschöne Vorstellung betrachten, wenn Sie vor = mit, der Mutter das traute Du meiden. Ist

dies doch unter ernstzunehmenden Liebesleuten schöne Sitte. Meinen Segen bekommt Ihr ja.

 

Lisbeth: O Du liebe, gute Mutter!

(Arnold und Lisbeth gehen aufeinander= zu, fassen sich mit beiden Händen und sehen sich innig an.)

 

Arnold: Lisbeth!

(Sie umarmen und küssen sich)

 

Lisbeth: Hermann!

 

 

9. Scene.

 

(Röschen kommt mit dem Schulranz= en in der Hand herein.)

Lisbeth und Hermann lassen sich rach = los.

 

Röschen: (Starr vor Staunen) Sie= ht abwechselnd das Paar und dann wieder die Mutter an.)

 

Da muß ich wohl nimmer zum Blumenpflücken gehen?

 

Arnold: Doch liebes Röschen, ger= ade hab ich Deiner Schwester ins Ohr gesagt, daß wir morgen mit Dir in den Buchenwald geh

 

Röschen: (Ungläubig) In's O= hr?

 

Julie: Natürlich, Du naseweiser = Fratz! Was tust Du übrigens hier? Die Schule kann doch noch nicht aus sein.

 

Röschen: Doch. Der Herr Kaplan k= onnte heute nicht kommen. Da fiel die  Religionsstunde aus.

 

Julie: Qarum kommst Du aber dann in d= ie Werkstätte?

 

Röschen: Ich will nur die Edelweiß holen, die mir Hubert geschenkt hat.

 

Julie: Dann nimm sie und gehe jetzt!<= /p>

 

 

10. Scene.

 

Die Vorigen und Buhl; er bemerkt zuer= st den Lehrer nicht. Röschen traf mit dem Vater unter der Türe zusammen.=

 

Buhl: Laß die Edelweiß da= ! Die hat der Hubert für Lisbeth bestimmt.

 

Röschen: D'Lisbeth mag's aber ne= t. Da hat Hubert gesagt, ich darf's nehmen.

 

Buhl: (Zu Lisbeth) Stimmt das Lisbeth= ?

 

Lisbeth: Ja, Vater.

 

Buhl: Warum hast Du aber die Blumen n= icht angenommen?

 

Lisbeth: Weil ich vom Obergesellen ke= ine Aufmerksamkeiten will.

 

Buhl: Natürlich, von Herrn Lehrer hättest - (bemerkt ihn erst jetzt, weil Ihn Julie anstöst) - ah, entschuldigen Sie! Hab Sie wirklich nicht

beobachtet.

 

Arnold: Bitte sehr!

 

Buhl: Es trifft sich ganz gur, da&szl= ig; Sie da sind. Das erspart mir einen Brief, den ich heute schreiben wollte. /= Zu allen übrigen) Laßt uns beide

allein; unsere Gespräch findet am besten ohne Zeugen statt.

 

Lisbeth: Ach, Vater, laß mich d= a!

 

Buhl: Gerade Dich kann ich am allerwenigsten brauchen.

 

Julie: Kommt Kinder, tun wir dem Vate= r den Willen.

(Schibt die Kinder vor sich her.)

 

 

11. Scene.

 

Arnold und Buhl.

 

Arnold: Herr Buhl, ich stehe zur Verfügung.

 

Buhl: Ich will die Sache sehr kurz ma= chen: Also Sie wollen meine Tochter zur Frau?

 

Arnold: Ja, Herr Buhl, am kommenden S= onntag hätte ich mir erlaubt, Sie um die Hand Ihrer Tochter zu bitten.

 

Buhl: Wie stellt sich denn meine Lisb= eth dazu?

 

Arnold: Ich glaube mich der Liebe Ihr= er Tochter versichert halten zu dürfen.

 

Buhl: Wissen Sie auch, daß ich = einen anderen Mann als Schwiegersohn wünsche, einen Mann, dem ich einmal mein Geschäft übergeben kann

 

Arnold: Das wurde mit gesagt.

 

Buhl: Dann ist Ihnen wahrscheinlich a= uch bekannt, daß ich vielleicht ja sage, wenn Sie eine gewisse Bedingung erfüllen?

 

Arnold: Auch darüber bin ich unterrichtet. Möchte Ihnen aber jetzt schon erklären, daß i= ch mich auf so etwas nie einlassen werde.

 

Buhl: Mit dieser Erklärung erwei= sen Sie mir und auch meinem Obergesellen den größten Gefallen. Denn jetzt wird eben dieser mein Schwiegersohn.

Es fehlt Ihnen also am nötigen M= ut und Sie verzichten damit auf meine Tochter.

 

Arnold: Beides ist unzutreffend, ich = bin weder ohne Mut, noch verzichte ich auf Ihre Tochter.

 

Buhl: Da bin ich aber neugierig, wie = das hinausgehen soll. Über die Hand meiner Lisbeth hab ich zu verfüge= n. Bei mir heißt es nicht : Wer Glück

hat, sondern wer Schneid hat, fü= rht d'Braut heim. Ihnen fehlt eben die richtige Schneid!

 

Arnold: Von jemand anderm gesagt, müßte mich diese Behauptung beleidigen. Aber unsere Ansichten ge= hen auf gewissem Gebiete so weit auseinander,

daß ich eine xxx Beleidigung da= raus nicht folgern muß.

 

Buhl: Beleidigen wollte ich Sie natürlich nicht.

 

Arnold: Ich muß in meinen Folge= rungen weit zurückgreifen. Als Sie noch jünger waren, standen Sie weit u= nd breit im Rufe eines außerordentlichen

kühnen Bergsteigers. In der Gese= llschaft wird heute noch ab und zu noch darüber gesprochen. Damals reizte Sie d= ie Gefahr; je größer dieselbe

war, desto höher Ihr Genuß= . Ihr Leben auf's Spiel zu setzen, war Ihnen gewollter Nervenkitzel. Alle, die es Ihnen nicht nachmachen konnten,

sahen Sie von oben an. Sie waren in I= hren Augen gar keine Alpinisten.

 

Buhl: Damit haben Sie es so ziemlich getroffen.

 

Arnold: Und nun sagen Sie mir, Herr B= uhl, sind jene, die sich einer Lebensgefahr nicht aussetzen können, oder di= es aus Prip nicht wollen,

geringer einzuschätzen oder als Alpinisten zu degradieren? Ist nicht jener der echte und wahre Bergsteiger,= der die Berge ihrer schönen, oft

bizarren Formen wegen bewundert, der = aus hoher Freude an der Natur sich vergnügt, an der interessanten un der lieblichen Bergflora sich

ergötzt? Ist der nicht für = voll anzusehen, der seinen Anstieg zum Scheitelpunkt des Berges auf normalen und menschenmöglichen, nicht aber auf

raffiniert gefährlichen Pfaden s= ucht? Und ist die AUssicht in blaue Fernen, auf Hunderte beschneiter Gipfel, auf grünende von Silberbändern

durchzogene Matten, auf weißschimmernde Seen für jene größer und überwältigender, die keuchend und schweißtriefend, kaum der Todesnot

entronnen, die Spitze erklimmen, als für jene, die in heller Freude die normalen Hindernisse nehmend, mit L= ust und Jauchzen am Ende des

gesteckten Zieles sehen? In dieser Ar= t, von diesen Gesichtspunkten aus betrachtet und liebe ich die Bergwelt; so lockt = sie mich an, so bereitet

sie mit Genuß!

 

Buhl: Es ist Ihnen gut zuzuhören= Herr Lehrer und manches ist wahr, was Sie sagen.

 

Arnold: So begeistere ich auch die mir anvertraute Jugend zur richtigen Bergfreude, einer Freude, die sich von sel= bst ergibt, wenn man die

Jungwelt auf die hohen Schönheit= en aufmerksam macht. Und Freunden reine und ideeller Art hat die Menschheit he= ute in der leider so arg

materiell gesinnten Welt doppelt nötig. Ich führe die mir Unterstellten hinauf auf die Höhen, damit oben in der göttlichen Bergesluft Herz und

Lunge gesundet und erstarkt, damit besonders die Knaben zu wackeren Recken heranwachsen, die unser armes, so s= ehr darniederliegendes Vaterland

wahrscheinlich einst recht notwendig brauchen wird.

So, Herr Buhl; nun hab ich's frisch v= on der Leber weg rausgesagt, wie ich's drin hab. Ich danke Ihnen, daß Sie so lange Geduld hatten. Und nun

zum Schlusse noch eines: Ich liebe Ih= re Lisbeth herzinnig und glauben Sie ja nicht, daß ich auf sie verzichte= .

Hiermit empfehle ich mich Ihnen, Herr= Buhl!

 

Buhl: (Nachdenkend) Schön hat er gesprochen (Sich besinnendI Lang hat er g'redt. (Mit Betonung) Aber die rec= hte Schneid hat er doch net.

 

Vorhang fällt.

 

 

 

 

3. Aufzug.

 

1. Scene.

 

Frau Vevi sitzt strickend am Tisch.

 

Fr. Vevi: I möcht nur grad wisse= n, was mei Alterle die ganze Zeit sucht? Sogar d'Senzi muß helfen und bis auf den Dachboden sind's hinauf. Alle

Kisten und Kästen werden durchstöbert. Jetzt, glaub ich, kommt er. Hoffentlich hat er die Festschrift, von der er immer sagt, gefunden.

 

2. Scene.

 

(Hagner kommt)

 

Hagner: Vevi, endlich hab ich's. In e= iner Tapetenkiste zu unterst drunt wars. Wer's wohl da hineingebracht hat?

 

Fr. Vevi: Das wollen wir nimmer untersuchen. Die Hauptsache ist, daß Du's hast und wieder zu Deiner R= uh kommst. Weißt Du auch, daß es schon

bald 4 Uhr ist?

 

Hagner: Ach, da hab'n wir noch Zeit g= enug. Die Julie und ihr Mann kommen erst um 6 Uhr.

 

Fr. Vevi: Aber besser anziehen soll m= an sich noch und dann haben wir auch nicht gegessen. Vergiß nicht, da&sz= lig; wir heute zum Jubiläumsfest wollen.

 

Hagner: Glaubst Du vielleicht, ich, d= er Ehrenvorsitzende hätte das vergessen? Du, ich mache Dir einen Vorschla= g: Nehmen wir heute ausnahmsweise

unser Abendessen bei Sigl ein.

 

Fr. Vevi: Sehr einverstanden, ich hab= e so der Julie versprochen, die Senzi ihr heute zu schicken, damit Röschen nicht allein ist. wenn alles

zum Fest geht. (Klingelt)

 

Hagner: So jetzt werd ich in Ruhe die endlich gefundene Festschrift durchblättern. (Tut es)

 

 

3. Scene.

 

Senzi und die Vorigen.

 

Senzi: Sie haben geklingelt, Frau Hag= ner?

 

Fr.Vevi: Ja, Senzi, ich wollte Ihnen = nur sagen, daß Sie schon früher zu Buhl gehen können. Wir essen heute abends nicht zu Hause.

 

Senzi: Ganz recht, Fr. Hagner, ich we= rde gleich gehen!

 

Fr. Vevi: Am besten ist es, Sie gehen= dann mit der klienen Rosa noch ein wenig spazieren. Es ist ja schön heute draußen.

 

Senzi: Ja ich werde Ihre Frau Tochter= Julie fragen, ob es ihr recht ist. (Tritt ab)

 

 

 

4. Scene.

 

Hagner und seine Frau.

 

Hagner hat sich inzwischen in die Festschrift vertieft.

 

Fr. Vevi: Du Max was für eine Festschrift ist dies eigentlich?

 

Hagner: Weisst im Jhr. 1899 feierte u= nsere Sektion ihr 25 jähriges Jubiläum. Sa wurde diese Festschrift gedr= uckt und jedes Mitglied bekam sie

geschenkt.

 

Fr. Vevi: Ah! Jetzt begreif ich Dein Interesse dafür!

 

Hagner: Weisst da steht soviel Sch&ou= ml;nes darin. Da kann man Rückblicke in die vergangenen Zeiten machen. Komm m= al her und schus mit an!

 

Vevi setzt sich zu ihrem Manne.

 

Hagner: Siehst Du da gleich auf der e= rsten Seite da ist der Vereins-Ausschuss vom Jahr 1874.

 

Fr. Vevi: Ei was Du sagst! +*

 

Hagner: Da die beiden Vorsitzenden Waltenberger U. A. Probst, hier der Schriftführer Stahel und der Kassi= er Seiferheld.

(Vevi schaut eifrig hinein und liest weitere Namen heraus)

 

Fr. Vevi: Flesschut, Vogt, Höss, Dänner, Hiebeler, Haslach. Du was waren die?

 

Hagner: Das waren die sechs Beisitzer= .

 

Fr. Vevi: Ist da wohl heute noch eine= r am Leben?

 

Hagner: Nein liebe Vevi, alles ist im Jenseits. Aber 25 Jahre später anno 1899 gehörten A.Probst, F.F.Flesschut u. Waltenberger immer noch dem

Ausschusse an.

 

Fr. Vevi: +*(weitervlätternd) O = schau nur was für schöne Bilder die Festschrift enthält!

 

Hagner: Lauter Ansichten aus unserm schönen Allgäu. Es wird einem förmlich warm dabei ums Herz.<= /p>

 

Fr. Vevi: (blättert weiter) Und = hier der stolze Hochvogel! Du, wann war ich das letztemal mit Dir oben?

 

Hagner: Das kann ich Dir genau sagen:= An Deinem 50 igsten Geburtstage im August 1897.

 

Fr. Vevi: Wie Du doch noch alles weis= st. Mein lieber Max das waren noch andere Zeiten.

 

 

Hagner: Hast recht; andere Zeiten in = jeder Beziehung. Und jetzt? Man darf gar nicht dran denken.

 

Fr. Vevi: (hat sich weiter in das Buch vertieft) Ei da kommt das Bild des Ausschusses vom Jahr 1899.

 

Hagner: Ja das war beim 25 jähri= gen Jubiläum. Da besteht der Ausschuss schon aus 16 Personen. Daraus kanns= t Du das Wachsen des Vereines

ansehen. Im Jahre 1874 hatte die Sekt= ion 61 Mitglieder. im Jahr 99 aber schon 444.

 

Fr. Vevi: Ich glaube von diesem Aussc= husse kenne ich alle.

 

Hagner: Bei einigen musst Du schon sa= gen kannte; denn acht davon sind auch schon wieder hinüber gegangen.

 

Fr. Vevi: (nachdenkend) Ich kann Gott= gar nicht danken genug, dass er Dich mit noch gelassen hat. Wennn ich denke -- = Du, von 61 noch der

einzige. (drückt ihn gehöri= g die Hand)

 

Hagner: Ei da kommt schon die Familie= Buhl! Die sind aber früher daran als ausgemacht war.

 

Fr. Vevi: Das ist mir sehr lieb, nach= dem ich Senzi fortschickte kann mit Julie beim Ankleiden behilflich sein.

 

 

 

5. Scene.

 

Die Vorigen, Buhl, seine Frau u. Toch= ter Lisbeth

 

 

 

(gegenseitige Begrüßung. A= lle im festlichen Gewande)

 

Julie: Ihr werdet uns noch nicht erwa= rtet haben. Mein Mann ist aber auch Jubilar, wenn auch nur ein 25 jähriger.= Da haben wir noch ausgemacht

abends im Vereinshause zu sein.

 

Fr Vevi: Das trifft sich prächti= g; Mein Mann und ich haben das nämliche beschlossen.

 

Fr. Julie: Gut dann gehen wir zusamme= n hin, mein Röschen ist versorgt.

 

Fr. Vevi:  Hat sie mit Senzi einen Spaziergang gemacht? Ich habe es ihr angeraten.

 

Fr. Julie: Ja vor einer halben Stunde= sind sie fort;  ich glaube den Bade= weg hinaus.

 

Anton Buhl: (Der sich mit der Festsch= rift oder in stummen Spiel mit seinem Schwiegervater unterhalten hat) Heute wird= es spät werden.

 

Fr. Julie: Für die jungen Leute wahrscheinlich; man will ja auch tanzen

 

Anton Buhl: Dann wird wohl die Nacht = zu kurz werden und der kommende Tag muss auch noch ein Stück hergeben,

 

Hagner (Aufhorchend) Gell, Vevi wir b= eiden empfehlen uns rechtzeitig längstens 11 Uhr will ich in den Federn sein= .

 

Fr. Vevi: Habe keine Angst Alterle; n= ach dem festlichen Teil packen wir zusammen. (zu Julie) komm Julie gehe jetzt m= it mir! Sei mir behilflich

beim Ankleiden!

 

Fr. Julie: Gern liebe Mutter (beide a= b)

 

 

 

6. Scene.

 

Hagner, Buhl und Lisbeth

 

(Lisbeth stand teilnahmslos beiseite)=

 

(zu Lisbeth) Hast Du gehört Lisb= eth, getanzt wird heute abends. Da wirst Du wohl auch fest mithalten.

 

Lisbeth: O lieber Grossvater wenn Du = nur wüsstest: heute hätte ich gerade die richtige Stimmung. Wer würde mich  übrigens= auch holen?

 

Buhl: Habe keine Angst das Du Mauerblümchen spielen musst. Dem Hubert wäre es nicht zu viel, den ganzen Abend mit Dir zu tanzen.

 

Lisbeth: Ehe ich mit dem tanze gehe i= ch lieber weg. Ich mag ihn einfach nicht.

 

Buhl: Was hast Du gegen den wackeren Burschen.

 

Lisbeth: Ein sauberer wackerer Bursch= e! Weisst Du auch, dass er Dich am vorigen Montag betreffs Partie auf den Schn= eck ganz unverschämt

angelogen hat.

 

Buhl: Das glaube ich nicht, Du bist ungerecht gegen ihn, weil Du ihn nicht leiden kannst. Das letztere passt mir offen gestanden nicht. Gerade

heute abend hoffte ich etwas ins Rein= e zu bringen. Aber das merk Dir Lisbeth: Lügen tut mein Obergeselle nicht.<= /p>

 

Lisbeth: Gut dann frage Wagners Anna,= Die musste am bewussten Sonntag bei ihren Verwandten im Oytalhaus aushelfen. Sie sah dort Hubert von

frühen Morgen bis spät am Nachmittag mit seinen zweifelhaften Freunden zechen. Von einer Besteigung Schnecks gar keine Spur.

 

Buhl: Er hat Dir soch Edelweis vom Sc= hneck gebracht, die Du zu meinem Ärger verschmäht hast. Ich habe den Strauss selbst gesehen.

 

Lisbeth: (Spöttisch lachend) Ja Edelweis mit einem roten Faden zusammen gebunden! Die Wagner hat es ja beobachtet wie er sie am Bahnhof

Oberstdorf gekauft hat.

 

 

Buhl: Ich kann es nicht glauben (nachsinnend) ich kann es nicht glauben. Da muss ich ihn schon selbst frage= n.

 

Lisbeth: Willst Du Dich ein zweitesmal anlügen lassen?

 

(Buhl steht sinnend)

 

Hagner: (zu Lisbeth) Kommt der Herr L= ehrer Arnold nicht auch zum Feste heut Abend?

 

Lisbeth: Im Sinne hatte er es; ob er wirklich kommt, weiss ich nicht. (geht ins Zimmer linkd ab)

 

 

7. Scene

 

Hagner und Buhl.

 

Hagner: Das muss ich schonsagen Anton= ; mit gefällt Dein Hubert auch nicht besonders, ich kann Deinen Plan nicht r= echt verstehen. Da wäre Lehrer

Arnold doch ganz was anderes.

 

Buhl: Jetzt ergreift mein Schwiegerva= ter auch noch Partei für ihn. Mit waren die zwei anderen schon zuviel.

 

Hagner: Das Ergebnis einer von mir angestellten Nachforschung spricht ungemein für Herrn Arnold.

 

Buhl: Das mag schon sein, aber mein Schwiegersohn wird er deshalb doch nicht, das wird mein Obergeselle. Der Le= hrer hat nicht die richtige

Schneid.

 

Hagner: Anton, Anton du sprichstso of= t und so gerne von Schneid. Weisst Du auch, dass diese Wort unter Umständen besser Frevel genannt wird.

Schneid liebe ich auch, wenn es die Bedeutung von Mut hat. Mutig sein Leben in die Schanze schlagen wenn es gilt fürs Vaterland zu kämpfen, das

est schön und erhaben. Mut zeige= n um ein bedrohtes Menschenleben zu retten ist echter Mut. Wenn aber das persönliche Leben nur irgend eines

bisher noch nicht erstiegener Gipfels= wegen aufs Spiel gesetzt, wenn um das Staunen oder den Neid anderer zu erregen ei= ne neue halsbrecherische

Tour ausgetüftelt und das Leben = dabei gering geschätzt wird, so ist das nicht Mut und Schneid sondern Leicht= sinn und Frevel. Wieviele

hoffnungsvolle Leben hat solche Schne= id schon gekostet. Wir haben unser Leben von Gott  erhalten und dürfen es nicht = gering schätzen.

 

Buhl: Aber Vater Du warst doch auch e= inmal jung un dich weiss es von Dir selbst, ein schneidiger Bergsteiger.

 

Hagner: Ja, schneidig im erlaubten Si= nne, ein sehr eifriger Alpinist. Ich schätzte mein Leben immer höher a= ls unsicherer Erfolg. Die Schönheit

der Berge war es, die mich anzog, nic= ht die Gefahr.

 

Buhl: Ich meine gerade ich höre = den Herrn Lehrer. Hat er Dir auch schon vorgepredigt wie mir?

 

Hagner: Ich ahbe ausser höfl. Grussaustausch noch kein Wort gewechselt.

 

Buhl: Und trotzdem trittst Du so offenkundig für ihn ein.

 

Hagner: Der Lehrer gefällt mir e= ben sehr gut. Alles was ich höre spricht für ihn. Wenn er bezügl= ich der Bergsteigerei auch meine Anschauung hat

kann mich das nur freuen.

 

Buhl: Ja, ja, ich merke es schon, alle haltet Ihr ihm die Stange. Aber es wird Euch nichts helfen. Mein Plan muss durchgehen!

 

 

8. Scene.

 

Herr und Frau Buhl, das Ehepaar Hagne= r u. Lisbeth.

 

(letzteres bringt Rock u. Hut des Grossvaters)

 

Fr. Vevi: (auf ihren Mann zugehend) N= un lieber Max bin ich schön genug für heute Abend?

 

Hagner: Jawohl Du eitles Weiberl! Ich glaube gleich Du gehst  nich a= uf Eroberungen aus?

 

Fr. Vevi: Nur keine Angst. Was Hö= ;heres könnte cih ja doch nicht ergattern als den Herrn Ehrenvorsitzenden.

 

Hagner: Wart Du Spötterin! (zu L= isbeth den schwarzen Rock sehend) aha jetzt komme ich daran; natürlich muss i= ch heute meinen Ehedreiviertel

ebenbürtig werden.

 

Lisbeth: Ja Grossvater, Du musst heut= auch in Gala sein und ich will DIr dazu helfen.

 

Hagner: Der untere Mensch ist schon für den Ausgang vorbereitet; dafür hat meine Frau frühzeitig gesorgt.

 

Lisbeth: Um so schneller wird es gehe= n.

(Hilft Hagner die Hausjoppe aus den schwarzen Rock anziehen, das Hauskäppchen wird durch den Hut ersetzt, reich ihm auch den Überzieher. Alles

macht sich zum Weggehen bereit)

 

Buhl: Ist alles zum Abmarsch fertig? = Also gehen wir!

 

 

 

9.Scene.

 

Die Vorigen

Gross

(Nun will den Eltern den Vortritt las= sen. Plötzlich hört man vom Vorplatz Springen und Schreien: Herr Buhl, Frau Buhl!)

 

Senzi: (Erregt hereinstürzendI G= ottlob dass ich Sie finde!

(fällt auf einen Stuhl, springt = aber gleich wieder auf; zeigt alle Zeichen der Erregung. Man drängt sich um sie.)

 

Buhl: Um Gottes Willen reden Sie, was= ist geschehen?

 

Julie: Wo ist mein Kind, mein Rö= sle?

 

Senzi: Ein Unglück, ein grässliches Unglück.

 

Buhl: Gott im Himmel! Mein Rösch= en ist es tot?

 

Fr. Vevi: (schluchzend mit dem Tasche= ntuch vor Augen) Was ists mit meiner Enkelin?

 

Buhl: (sehr erregt) Aber so reden Sie= doch endlich;; das ist ja nicht zum Aushalten!

 

Senzi: In Heners Wiese is das Roeserl= von einem Stier angefallen worden.

 

Lisbeth: Sags Senzi kam niemand zur H= ilfe, ist mein Schwesterhen tot?

 

Senzi: Leben glaub ich tut es schon n= och. In der allergrößten Not kam ein Radler, der sprang über den Zaun und ging auf den Stier los.

 

Buhl: Ist es Heners Wiese in der Rotenfelsstraße?

 

Senzi: Ja gegenüber dem Fässler-Hause.

 

Buhl: Fasst Euch meine Lieben, ich ei= le sofort hin. Lisbeth, nimm Dich um die Mutter an; sie ist ja am Umfallen.

(Er drückt den Großvater i= n den Stuhl. Eilt schnell hinweg.)

 

Lisbeth: (geht auf die Mutter zu. )Ja Vater. (Lisbeth zu Senzi) Senzi schau, der Großmutter wird auch ganz schwach.

 

Julie: (Ihrem Manne nachrufend) Vater= bring mir mein Kind wieder!

 

Hagner: Fasst Euch! Fasst Euch! Est d= as Kind noch am Leben, kann alles noch gut werden. Ich wills nicht glauben, da= ss Gott mich 80 jährigen so

heimsuchen sollte.

 

Lisbeth: Ja, Großvater hat rech= t. Wollen wir auf einen glücklichen Ausgang erhoffen.

 

Senzi: (die zum Fenster hinaus schaut= e freudig erregt) Sie kommen! Sie kommen!

 

(alles eilt zum Fenster)

 

Fr. Julie: Lieber Herrgott im Himmel = ich danke Dir! Röschen, mein Kind lebt!

 

Fr. Vevi: Schau, wie sie ihre Arme un= d den Hals des Herrn schlingt. Wer mag ihr Retter wohl sein?

 

Lisbeth: (Senzi weg drängend) Wunderbare Fügung des Himmels, das ist der Lehrer Arnold! Mein Hermann= !

I

Fr. Julie: Wie Herr Arnold hats geret= tet, dem haben wir unser Röschen zu danken?

 

Hagner: Ist das der Herr Lehrer, der = auch mein Geburtstagsgedicht gemacht hat?

 

Lisbeth: Ja lieber Großvater (e= ilt hinaus)

 

Senzi: Sie kommen schon den Hof gerei= n. (ab)

 

Fr. Vevi: Ganz glücklich lacht d= as Kind seinen Retter an.

 

Hagner: Es ist wirklich heil und unverletzt.

 

Fr. Julie: Aber am Fuss hats eine blu= tende Wunde. Es wird doch nichts ernstliches sein? (Alle drängen sich gegen = die Türe.)

 

 

 

10. Scene.

 

Buhl, Lisbeth und Arnold, letzterer m= it Röschen auf dem Arm.

 

Lisbeth: (Liesbeth auf die Mutter zuspringend) Mutter wir bringen Dir Dein Kind; nur eine kleine Schürfu= ng; sonst heil und gesund.

 

Arnold: (er übergibt der Mutter = das Röschen) Hier liebe Frau Buhl haben Sie Ihr Röschen. Nur ein wenig bleich ist es noch.  Das macht= der

Schreck.

 

Fr. Julie: Ich finde keine Worte Ihnen richtig zu danken. Möge der Himmel Sie segnen!

 

Fr. Vevi: Auch von der Großmutt= er nehmen Sie den innigsten Dank. Sie edler Mensch haben mir die Enkelin erhal= ten.

 

Arnold: Nicht soviel Dank! Was ich ge= tan war selbstverständliche Menschenpflicht.

 

Röschen: Gel Mutterle, Du zankst= mich nicht, weil mein Kleid zerissen ist?

 

Fr. Vevi: O Du Dummerle! Die ist ja so glücklich dass Sie Dich wieder hat.

 

Fr. Julie: (bringt das Kind ihrem Man= ne) Da Anton unser Kind!

 

Buhl: Du mein Liebling! Was für = einen Schrecken hast Du uns bereitet.

 

Fr. Julie: Liebes Kind, so etwas möchten wir nimmer durchmachen.

 

Buhl: Herr Lehrer Arnold nun komme ic= h zu Ihnen (Julie stellt sich neben ihren Mann) Sie haben mein liebes teueres Ki= nd vom sicheren und

grässlichen Tode gerettet, es gi= bt einen Dank, der sich nicht in Werten ausdrücken, der sich nur im tiefst Innersten fühlen lässt. Glauben Sie

mir, dass mich dieses Gefühl beherrscht und zeitlebens in mir bleiben wird.

Ich habe aber Ihnen, lieber Herr Lehr= er was abzubitten. Ich erlaubte mir Ihren Mut anzuzweifeln oder das, was man in burschikoser Weise Schneid

nennt. Wie sehr beschämten Sie m= ich durch Ihre heutige tapfere Tat. Ich gebe Ihnen nun vor meiner ganzen versammelten Familie gerne die

Erklärung ab: ja Sie haben schon= die richtige Schneid, ja mehr als dies: Sie sind mutig und tapfer im edelsten S= inne des Wortes. Und nun noch

eine Frage Herr Lehrer (winkt Lisbeth= zu sich heran) Wollen Sie meine Lisbeth noch?

 

Arnold: Und wie gerne Herr Buhl! Ich = habe keinen sehnlicheren Wunsch!

 

Buhl: Und wir nicht wahr Julie sind s= tolz eine solchen Schwiegersohn zu bekommen. (führt die beiden Liebenden einander zu)

 

Lisbeth und Arnold umarmen und kü= ;ssen sich.

 

Röschen: Jetzt hat der Herr Lehr= er der Lisbeth schon wieser was ins Ohr gesagt. (allgemeine Heiterkeit)

 

Hagner: Auf Leid folgt Freud. Nun können wir den heutigen Jubelfest frohen Herzens beiwohnen.

 

Fr. Julie: Mich aber lasst mit Rö= ;schen nachhause gehen. Mein schönstes Fest ist ja doch, dass ich sie noch ha= be.

 

Vorhang fällt.

 

 

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